Sanierungsfall in besten Händen: Schloss Liedberg

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Nähert man sich Liedberg, einem Ort zwischen Mönchengladbach und Neuss im Rheinland, fällt einem schon von weitem das auf einer Anhöhe gelegene, prägnante Schloss mit seinem massiven gotischen Hauptturm auf. Bis vor einigen Jahren war die Annäherung an das Schloss, bedingt durch Verwahrlosung und unangemessene Umbauten, eine traurige Angelegenheit.

Schloss Liedberg, dessen Grundmauern vermutlich aus dem 11. Jahrhundert stammen, hat in den vergangenen Jahrhunderten viele Veränderungen durch zahlreiche Eingriffe, Abrisse und Wiederaufbauten erfahren. Auch der Zweite Weltkrieg hatte in seinem zerstörerischen Werk nicht vor dem Schloss halt gemacht und es in Teilen geschädigt. In desolatem Zustand war es bis 1968 praktisch dem Verfall preisgegeben.

Nach oberflächlichen Restaurierungsarbeiten und einigen Besitzerwechseln hat seit 2007 endlich ein Liebhaber die Bedeutung und den kulturellen Wert der Anlage in vollem Umfang erkannt. Zusammen mit einem erfahrenen Architekten und in engster Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege konnten nach umfangreicher Bauforschung in den Jahren 2008 bis 2010 viele neue Erkenntnisse gewonnen werden. Dem neuen Eigentümer war es wichtig, möglichst viele sachverständige Handwerker und engagierte Fachleute aus der Region in das Projekt einzubinden. Sanierungsfall in besten Händen – Schloss Liedberg

Bei der Rekonstruktion der Fenster holte er sich die Unterstützung der PaXclassic GmbH. Ziel war es, die ältesten noch im Schloss befindlichen Fenster aus der Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts in den wesentlichen gestalterischen Merkmalen zu rekonstruieren. Da das Schloss zu Wohnzwecken genutzt und eine energetische Optimierung erzielt werden soll, kamen klassische einfachverglaste Fenster nicht in Frage. Auf Verbund- oder Kastenfenster wurde zugunsten entsprechend konstruierter Isolierglasfenster verzichtet. Der Eigentümer legte großen Wert auf Stabilität und solide Beschlagtechnik: Statt moderner Einhand- Dreh-Kipptechnik wurden massive Bänder und handgeschmiedete Ruderstangenverschlüsse eingesetzt.

Auch bei der Erscheinung der Sprossen wurden die historischen Fenster soweit technisch möglich interpretiert. Unkonventionell mag auch die Auswahl der Holzart erscheinen: Eukalyptus Globulus, aus aus FSC-zertifiziertem Anbau in Spanien vermochte gegenüber amerikanischer Eiche in den wesentlichen Eigenschaften zu überzeugen. Das Gesamtergebnis der Arbeiten am Schloss ist beeindruckend. In geduldiger und sensibler Vorgehensweise haben viele fleißige Hände einen Zustand erreicht, der einen Besuch auf dem Schloss wieder zu einem Erlebnis der besonderen Art macht!