Grußwort

Fenster und große Glasflächen, oft in schmalen eisernen Profilen, prägen die Architektur des Bauhauses und der Moderne. Die architektonischen Möglichkeiten der damals modernen Materialien wie Glas, Stahl und Beton begeisterten Architekten und förderten die schöpferische Entwicklung einer neuen Architektur mit offenen Räumen, einem veränderten Raumempfinden und einer eigenen Ästhetik. Die Gebäude, etwa das von Walter Gropius entworfene Bauhausgebäude oder die Meisterhäuser in Dessau, öffnen sich mit großen Fenster- und Glasflächen zum Außenraum und ermöglichen mit ihrer Transparenz die Wahrnehmung von verschiedenen Ebenen zur gleichen Zeit.

Reflexionen an den Glasflächen in ihren vielfachen Brechungen, gerade auch an den beweglichen Fensterflügeln, fügen weitere Eindrücke hinzu und vertiefen die komplexe Verbindung von Innen- und Außenraum. Diese Eigenschaft des Glases, gleichzeitig nicht nur in einer, sondern in viele Richtungen zu öffnen und zu schließen, benennt der Architekt Arthur Korn 1929 als besondere Stärke dieses Materials.

Herausragende Architektur der Moderne ist heute als erhaltenswertes kulturelles Erbe anerkannt, etwa die Bauten der Welterbestätten Bauhaus, des Fagus-Werkes in Alfeld oder der Siedlungen der Berliner Moderne. Gleichzeitig gelten viele Bauten aus dieser Zeit durch ihre auch heute modern wirkende Ausstrahlung oft als selbstverständlicher Bestandteil des Alltags, der nach Bedarf an wechselnde Bedürfnisse angepasst werden kann. Gerade die großen Glasfenster der Moderne mit ihren schmalen Profilen führen zu Energieverlusten und entsprechen häufig nicht heutigen Erwartungen an Komfort. Die unbedachte Veränderung der Architektur mit ihren großen Fenstern, ausgewogenen Proportionen und filigranen Details führt jedoch häufig zur Beeinträchtigung der architektonischen Qualität, zu Verlusten an originaler Substanz und nicht selten zu bauphysikalischen Problemen. Zudem sind gerade die unzeitgemäßen, nicht in die heutige Zeit passenden Elemente für die Wahrnehmung der Architektur in ihrer Zeitgebundenheit und kulturhistorischen Bedeutung als Baudenkmal so wichtig.

Vor Beginn der Baumaßnahmen an einem Denkmal wird daher ein Abwägungsprozess vorgenommen, in dem wirtschaftliche und energetische, aber auch ästhetische oder kulturelle Aspekte berücksichtigt werden. So werden zunehmend auch für die Architektur des Bauhauses und der Moderne mit ihren Besonderheiten wie den großen Glasflächen oder experimentellen Materialien neue Konzepte für die Bewahrung des Denkmals unter Berücksichtigung heutiger Anforderungen entwickelt. Das Spektrum der Lösungsansätze reicht von Anpassungen der Nutzung bis zur Entwicklung von intelligenten technischen Details. Viele Beispiele zeigen, wie die ursprünglichen Qualitäten dieser Bauten behutsam freigelegt und mit Sensibilität an heutige Anforderungen angepasst werden können.

Der Fachtagung „Fenster im Baudenkmal“ wünsche ich in diesem Jahr insbesondere viel Erfolg bei Entdeckungen in der Architektur des Bauhauses und der Moderne sowie auf den Wegen zu deren Bewahrung.

Monika Markgraf
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Bauforschung und Denkmalpflege, Bauabteilung bei der Stiftung Bauhaus Dessau