Rekonstruierte Fenster für ein national wertvolles Kulturdenkmal

Erbaut wurde der Heinemanhof in den Jahren 1930 und 1931 von Architekt Henry van der Velde, der zusammen mit Walter Gropius das Bauhaus in Weimar aus der Taufe hob. Der „Heinemanhof“ (früher auch als Heineman-Stift bezeichnet) in Hannover ist ein „national wertvolles Kulturdenkmal“, gilt als architektonisches Juwel und wird nach wechselvoller Geschichte heute als überkonfessionelles „Pflege- und Kompetenzzentrum Demenz“ genutzt.
Ursprünglich wurde das Gebäude als jüdisches Damenstift konzipiert. Entsprechend der Stiftungsurkunde sollte „... älteren, bedürftigen, alleinstehenden Damen der gebildeten Stände, vorzugsweise jüdischen Glaubens und vorzugsweise aus der Stadt Hannover, in einem eigenen Stiftungshaus Wohnung und Verpflegung für ihren Lebensabend gewährt werden, und zwar in der Regel unentgeltlich.“ Nachdem im zweiten Weltkrieg die Damen des Heinemanstifts deportiert wurden, beschlagnahmte 1942 die Wehrmacht das Gebäude und quartierte dort männlichen Bewohner christlichen Glaubens ein.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Heinemanhof von 1945 bis 1958 für die Unterbringung britischer Militäreinheiten genutzt. Schließlich wurde das Gebäude der 1960 wiedergegründeten Minna-James-Heineman-Stiftung zurückgegeben. Diese verkaufte das Gebäude an die Stadt Hannover, die das Haus zunächst als Obdachlosenheim nutzte, um es Anfang der 2000er Jahre als Alten- und Pflegeheim, genauer „Heinemanhof Pflegezentrum Kompetenzzentrum Demenz“ zu nutzen.
2010 stand schließlich eine umfangreiche Sanierung des Gebäudes mit dem Ziel an, den bauzeitlichen Zustand so weit wie möglich wieder herzustellen. „Wir haben viel in Archiven recherchiert, um heraus zu bekommen, wie es hier früher ausgesehen hat“, so das mit der Aufgabe betreute Architekturbüro Woelk&Wilkens. Oft waren alte Bilder hilfreich, auf denen Details der Architektur zu erkennen waren. Manchmal half auch der Zufall: Beim Hochnehmen von maroden Bauplatten kam das ursprüngliche Muster des Terrassenbodens wieder zum Vorschein.
Ein Glücksfall waren einige bauzeitliche Fenster, die bei einer früheren Sanierung eingelagert wurden. So war es den Architekten möglich, sehr genau zu rekonstruieren, wie van de Velde seine Fenster entworfen hatte. Insgesamt 15 verschiedene Fenstertypen sind in dem Gebäude verbaut. PaX hatte in enger Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro ein Isolierglasfenster entwickelt, das dem Original in Ansichtsbreiten und Details fast auf den Millimeter entspricht. Die Farbe von Rahmen und Fenster stellte allerdings ein Problem dar. Van de Velde hatte 1930 auch an der Südseite schwarze Fenster einbauen lassen. Aus heutiger Sicht ein großes Problem. Woelk&Wilkens gab beim Institut für Holztechnologie in Dresden einen umfangreichen Bewitterungstest mit acht Prüfkörpern in Auftrag. Zum großen Erstaunen der Experten versagte das favorisierte Verfahren mit Leinöl. Am Ende überzeugte *eine Vierfachbeschichtung von PaX im Zusammenspiel mit Eiche als *beste Lösung. Dem Einbau originalgetreuer Fenster in Schwarz stand so nichts mehr im Wege.