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Denkmalfenster mit Fensterläden

Die Geschichte der Fensterläden

Vom antiken Wetterschutz zum smarten Stromerzeuger

Sind Fensterläden ein Sonnenschutzrelikt ohne Zukunft? Weit gefehlt, sind sie doch zweckmäßig und dekorativ zugleich. Im geschlossenen Zustand schützen sie vor Sonne, Kälte und Lärm. Geöffnete Fensterläden werten eine Hausfassade optisch auf und sind nicht nur für Denkmalpfleger Teil eines architektonischen Gesamtbilds. Neueste Entwicklungen machen aus dem einstigen Sonnenschutz vielleicht den Stromerzeuger der Zukunft. Mehr über die Geschichte, die Zukunft und die denkmalpflegerische Bedeutung von Fensterläden erfahren Sie in diesem Artikel.

Auch wenn eindeutige Belege fehlen, ist sich die Wissenschaft sicher, dass bereits vor etwa 4000 Jahren die ersten Fensterläden gebaut wurden. Grund zur Annahme hat man, da bereits um 2000-1800 v. Chr. erste Gebäude mit großen Fensteröffnungen wie der Palast von Knossos auf Kreta in Griechenland errichtet wurden. Wandmalereien belegen, dass es im Palast Flügeltüren gab. Technisch war die Herstellung von Fensterläden demnach möglich.

Palast von Knossos auf Kreta
Die Ruinen des Palast von Knossos auf Kreta

Blendläden werden Teil der Architektur

Die ersten Fensterläden wurden wahrscheinlich aus Stein und Holz gefertigt. Vor allem kleine Fensteröffnungen wurden mit Steinquadern verschlossen. Vieles weist darauf hin, dass Fenster auch mit Tierhäuten, Schweineblasen, Pergament und anderen Naturstoffen bespannt wurden um die Bewohner vor Wind und Wetter zu behüten.

Die Erfindung des Glasfensters durch die Römer geht auf das 2. Jahrhundert n. Chr. zurück. Vermutlich brachte dies die Weiterentwicklung von Fensterläden vorerst zum Erliegen, schließlich erfüllte Glas nun den ursprünglichen Zweck eines Fensterladens. Mit dem Untergang des römischen Reichs ging sehr viel Wissen über die Herstellung von Glas verloren. In den darauffolgenden 600 Jahren Menschheitsgeschichte spielte Fensterglas nur noch sehr selten und wenn dann nur bei sakralen Bauten eine Rolle.

Der Fensterladen, heute auch als Blendladen bezeichnet, gewann wieder an Bedeutung. Immer öfter werden Fenster zu Zeiten der Romanik und Gotik mit Läden versehen. Im Laufe der Gotik entstehen die ersten Schiebeläden. Auch in der darauf folgenden Renaissance werden einfache Blendläden verbaut. Während dieser drei Epochen verbaute man Fensterläden jedoch vornehmlich im Innern der Gebäude. Zudem beschränkte man sich rein auf den Zweck, weniger auf die Verzierung der Läden. Erst mit Einzug des Barock begann man Blendläden optisch aufzuwerten.

Vertikale Schiebeläden an einem Fachwerkhaus
Vertikale Schiebeläden an einem Fachwerkhaus

Historische Fensterläden unter Denkmalschutz

Herrschaftliche Wohngebäude und Schlösser wurden zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert mit Innen- und Außenläden versehen. Kein Detail wurde dabei außer Acht gelassen. Die Innenläden wurden perfekt auf die Inneneinrichtung abgestimmt. Im Außenbereich hielten die ersten Lamellenläden Einzug, was auch als Grundstein für die Erfindung der Jalousie gesehen wird. In den darauffolgenden kunstgeschichtlichen Epochen haben Fensterläden nur eine geringe Bedeutung.

Erneute Beliebtheit für Blendläden kommt erst wieder mit Beginn der 1920er Jahre in Deutschland auf, die bis kurz nach dem zweiten Weltkrieg anhält. Mit zunehmender Bedeutung des Denkmalschutzes kommen Fensterläden in den 1980er Jahren wieder in Mode. Erstmals beschäftigt man sich auch mit dem Erhalt und der Sanierung historischer Läden.

Historische Fensterläden
Fensterläden haben eine bedeutende Wirkung auf die Fassade eines Hauses

Automatisierte Fensterläden mit Solarkraftwerk

Die heutige Denkmalpflege sieht historische Fensterläden als unbedingt erhaltenswerte Bauelemente. Das liegt sicher auch an den eigenwilligen Formen, die vor allem im Süden Deutschlands in vielen kleinen Handwerksbetrieben entstanden. Ihre Einzigartigkeit ist ein Beleg für die regionalen Unterschiede in Tradition und Handwerkskunst.

Wie bei Fenstern gilt für Denkmalpfleger auch bei Blendläden der Grundsatz bauzeitliche Originale unbedingt zu erhalten. Da Klapp- und Schiebeläden gegenüber Fenstern einem höheren Witterungseinfluss ausgesetzt sind, existieren allerdings nur wenige sehr alte Originalausführungen. Sind die Originalläden nicht mehr vorhanden oder können vorhandene aufgrund von Materialbeschaffenheit oder aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr erhalten werden, erlaubt die Denkmalpflege auch den Einbau denkmalgerechter Nachbildungen. Auf Denkmalpflege spezialisierte Handwerksbetriebe fertigen solche Nachbauten mit sehr viel Liebe zum Detail und Fachkompetenz. Um die genauen Anforderungen zu klären ist im Vorfeld einer Baumaßnahme das Beratungsgespräch bei der zuständigen Denkmalbehörde unbedingt erforderlich.

Fensterläden werden zum smarten Stromerzeuger

Moderne Fensterläden werden heute aus Holz, Aluminium oder Kunststoff gefertigt. Eine nahezu unbegrenzte Farbvielfalt, Dekorfolien und eine große Auswahl an Füllelementen machen sie genauso individuell und besonders wie früher. Auch in Sachen Automatisierung hat sich einiges getan. Integriert in Smart Home Systeme, lassen sich moderne Fensterläden automatisch und auf Wunsch auch zeitgesteuert öffnen und schließen. Das erklärt, weshalb Fensterläden eine erneute Renaissance erleben und immer mehr Neubaufassaden zieren.

Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass diese Renaissance noch lange anhalten wird, denn künftig werden Fensterläden wohl zum Stromerzeuger. Einige Hersteller bieten bereits mit Solarzellen bestückte Lamellen- und Schiebeläden an. Und das kann sich durchaus lohnen, den pro Quadratmeter kann aktuell eine Solarleistung von 170 Watt erbracht werden. Bei durchschnittlich 2.000 Sonnenstunden im Jahr sind das 340 kWh erzeugte Energie. Geht man davon aus, dass ein Fensterladen etwa 1 m² Solarfläche bietet, sind das bei 6 Fenstern und 12 Läden etwa 4.080 kWh im Jahr. Das deckt etwa 80 % des Energiebedarfs eines 4-Personen Haushalts.

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Literaturangaben:

Hänel, Andrea: Vom Schiebeladen zum Solarladen - Fensterläden in der geschichtlichen Entwicklung, Fenster im Baudenkmal 2008 Tagungsbeiträge, S. 44 ff.

Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, Arbeitsheft Fenster im Baudenkmal, https://www.vdl-denkmalpflege.de/fileadmin/dateien/Arbeitshefte/01_Fenster_im_Baudenkmal._%C3%9Cberarbeitete_Version__2018_.pdf