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Historische Fenstergriffolive

Die Reproduktion historischer Türen- und Fensterbeschläge

Wenn Fenster die Augen eines Hauses sind, so sind die Beschläge der Glanz in ihnen. Richtige Beschläge, die nicht nur in der Funktion, sondern auch in der Form zu einem historischen Gebäude passen, vollenden das Bemühen um den Erhalt unserer Baudenkmäler und schöner alter Gebäude. Ein Gastbeitrag von Hanna Tummescheit über die Reproduktion historischer Fenster- und Türenbeschläge.

Es gibt nur wenig Literatur über Baubeschläge in Deutschland. Technik- und Stil-Forschungen haben sich dem Thema noch nicht angenommen. Historische Fenster- und Türenbeschläge aus Gotik, Renaissance und Barock sind im Schloss- und Beschläge-Museum Velbert zu sehen, aber auch im Schloss Pillnitz bei Dresden und im Museum in Nürnberg. Das vielfältige Repertoire aus Barock, Klassizismus, Historismus und Jugendstil ist dort jedoch nicht dargestellt und schon gar nicht publiziert.

Einigermaßen zuverlässige Informationen erhalten Interessierte bei der Restaurierung von noch vorhandenen alten Beschläge und deren Reproduktion. Werden in einem historischen Gebäude, dessen Schöpfer bekannt ist, bestimmte für das Objekt entworfene Beschläge gefunden, so ist es nicht unbedingt sicher, dass der ausführende Architekt oder seine Schüler die Entwürfe selbst gefertigt haben. Es ist zu vermuten, dass es eher die Handwerker waren, die nach Anregungen der Planer die Vorlage und endgültige Gestaltung der Beschläge ausgeführt haben.

Kopien erschweren zeitliche Einordnung

Ein nicht unerhebliches Problem bei der zeitlichen Einordnung von historischen Fenster- und Türenbeschlägen in die jeweiligen Stilepochen (wenn der Beschlag unabhängig vom Objekt betrachtet werden muss) entstand mit dem Trend in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert, die davor liegenden Stilrichtungen wieder auferstehen zu lassen. Dies gelang zuweilen perfekt, oft aber in übertriebener Manier. Es ist der sogenannte Historismus, in dem man Nachempfindungen von Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko und Klassizismus wiederfindet. Wer originale Beschläge aus Zeiten des Historismus oder dem Jugendstil bestaunen oder gar erwerben möchte, dem sei ein Besuch einer der bekannten Berliner Antikmärkte ans Herz gelegt.

Historische Fenster- und Türenbeschläge auf einem Flohmarkt

Replikate nicht nur für Altbauten

Replikate von historischen Fenster- und Türenbeschlägen sind hauptsächlich für Altbauten und Baudenkmäler bestimmt. Inzwischen interessieren sich aber auch immer mehr Bauherren klassischer Neubauten für besondere Beschläge. Nicht nur deshalb ist der Markt für historische Beschläge in Deutschland noch lange nicht ausgeschöpft. Schließlich werden nach und nach auch Bauten aus den 1950er und 1960er Jahren als Denkmäler klassifiziert, für die Aluminiumbeschläge nachgefertigt werden müssen. Meist werden die Beschläge jedoch aus Messing oder Eisen hergestellt.

Moderne Technik für mehr Flexibilität

Bei der Nachfertigung von Kundenvorlagen muss darauf hingewiesen werden, dass eine absolut gleiche Kopie aus technischen Gründen fast unmöglich ist. Beim Abgießen eines Beschlages kann ein Schwund von bis zu 3 % entstehen. Um ihn zu vermeiden, muss ein vergrößertes Modell des Originals gefertigt werden.

Bis vor einigen Jahren wurden die vergrößerten Modelle geschnitzt; doch die Handwerker, die das noch können, sind rar geworden. Hersteller von Replikaten greifen deshalb auf moderne Technik zurück. Originalbeschläge werden mit einem 3D-Scanner eingescannt. Die Datei kann dann bearbeitet und beliebig vergrößert oder verkleinert werden. Ist die richtige Größe gefunden, wird ein Kunststoffmodell mit dem 3D-Drucker gedruckt. Das macht die Hersteller deutlich flexibler. Aus einem Zimmertürschild können Sie ohne Probleme ein Haustürschild machen – auch wenn es noch so verziert ist.

Leichte Veränderungen zum Original

Auch bei gedrehten Teilen muss manchmal aus technischen Gründen das Original verändert werden. Beispielsweise müssen manche Füße, also der Teil am Drücker, in dem der Vierkant sitzt, dicker gemacht werden. Früher wurden die Vierkante eingegossen und waren konisch. Der Vierkant hatte auf der einen Seite einen Durchmesser von 8 x 8 mm und wurde auf etwa 7 mm runtergeschlagen. Er passt somit in den Gegendrücker. Der Gegendrücker wurde mit einem 7 x 7 mm Stahlkern gegossen. Das wird heute nicht mehr gemacht, stattdessen wird ein Loch von 9,8 mm gebohrt und der 8er Vierkant nachgestoßen, sodass man in der Diagonalen fast 12 mm erreicht. Daher sollte man einen Fuß mit einem Durchmesser von 15 mm haben, um eine Wandung von 1,5 mm zu schaffen. Schließlich soll der Drücker auch einem kräftigen Druck standhalten.

Bei der Produktion von Fenstergriffoliven, egal ob nach Vorlage oder nicht, trifft man des Öfteren auf ein ähnliches Problem: Es sollen neue Oliven für alte Fenster gefertigt werden, und zwar für Fenster, die noch die alten Einreiberschlösschen eingebaut haben und bei denen meist ein konischer Stift aus dem Fenster ragt. Direkt am Rahmen hat der Vierkant einen Durchmesser von 8 mm und am Ende 6-7 mm. Hier muss sich der Bauherr entscheiden, was er bevorzugt: möchte er einen 8er Vierkant, so muss der Fuß vergrößert werden und der Griff wird wahrscheinlich wackeln, oder möchte er einen 7er Vierkant, dann muss jeder Vierkant der Olive per Hand angepasst werden. Das ist mühsamer, aber meist sinnvoller.

Zwei Herstellungsverfahren für geringe Stückzahlen

Beim Nachgießen von historischen Fenster- und Türenbeschlägen in geringen Stückzahlen werden hauptsächlich zwei Verfahren genutzt: das Sandgussverfahren und das Wachsausschmelzverfahren.

Ist die Form des Beschlags schlicht, so wird im Sandgussverfahren gegossen, welches einfacher und günstiger ist. Das Original wird entweder aufbereitet oder es wird ein Kunststoffmodell gefertigt. Das hat den Vorteil, dass man Linien nachziehen oder Dellen und tiefe Kratzer ausgleichen kann. Ist die Stückzahl etwas höher (ca. 20 Stück) kann es sinnvoll sein, mehrere Kunststoffmodelle zu machen, um in einer Form mehrere Teile gießen zu können. Vereinfacht dargestellt werden die Modelle in den Sand gedrückt und wieder herausgenommen, sodass der entstandene Hohlraum vom flüssigen Metall ausgefüllt wird.

Gussform für Herstellung eines Türbeschlags

Wachsausschmelzverfahren ist präziser

Wenn hochherrschaftliche Modelle, wie etwa das Schild für die Residenz München, nachgefertigt werden müssen, ist das Sandgussverfahren zu ungenau. Das Wachsausschmelzverfahren ist die präzisere Methode. Dafür wird eine Silikonform des Originals gemacht und in dieser Silikonform werden die Wachsmodelle gegossen – für jedes gegossene Messingteil wird ein Wachsmodell benötigt. Das Wachsreplikat wird von einer Tonschicht umgeben, das flüssige Metall wird in die Tonform gegossen so dass das Wachs schmilzt und entweicht. Der Abguss hat fast keine Gussnaht und stellt selbst feinste Oberflächenstrukturen dar. Doch leider ist jede Wachsform eine verlorene Form, denn sie kann nur einmal benutzt werden.

Nicht jeder Fenster- und Türenbeschlag, der feine Strukturen hat ist gegossen, er kann auch ziseliert sein. In Deutschland sind von Hand ziselierte Beschläge kaum bezahlbar. Auch hier kann moderne Technik Alternativen schaffen. Es bietet sich an die Beschläge mit einer CNC-Fräse zu gravieren. Das macht das Ergebnis vielleicht ein bisschen zu perfekt, dafür aber bezahlbar.

Robuste Beschläge für restaurierte Denkmalfenster

Replikate von historischen Eisenbeschlägen wie Winkelbänder, Winkel und Stützkloben können heute in allen Variationen gefertigt werden. Im Gegensatz zu den bauzeitlichen Original-Beschlägen werden die Replikate heute allerdings deutlich robuster ausgeführt. Der Grund: Nachbauten historischer Fenster oder restaurierte Denkmalfenster werden aus energetischen Gründen mit Mehrfachverglasungen versehen. Bedeutet, die Fenster werden schwerer, was letztendlich die Belastung der Beschläge erhöht.

Die Materialstärke und die Größe der Beschläge werden angepasst. Hat die Vorlage des Winkelbandes eine Stärke von 1,5 mm, so sollte das Replikat mindestens 2 mm, wenn nicht sogar 2,5 mm stark sein. Die Stützkloben müssen nicht mehr eingeschlagen werden, sondern können ein metrisches Gewinde bekommen, so dass der Tischler die Fenster beim Einbau besser justieren kann. Die Winkelbänder werden gelasert und dann weiterbearbeitet; je nach Anforderung werden die Kanten gefast, die Löcher gesenkt und die Bänder rundgeschmiedet.

Wenn es Winkel oder Winkelbänder mit Prägung sind, so wie die für die Hubertusburg in Wermsdorf, muss ein eigenes Werkzeug dafür gebaut werden. Die Grundform wird gelasert, dann wird der Winkel in der Esse erhitzt und im Gesenk geschmiedet, danach muss der Winkel noch rund beziehungsweise hohl geschmiedet werden.

Gebrauchsspuren besser der Zeit überlassen

Wenn alle technischen Details geklärt sind, geht es oft noch um den Farbton, vor allem bei Messing und wenn es darum geht, alt und neu zu kombinieren. Der Wunsch, keinen Unterschied zu sehen ist verständlich, aber nicht immer realisierbar. Die Legierungen sind nicht mehr die gleichen wie vor 100 Jahren, so dass der Grundfarbton unterschiedlich ist. Beim genauen Hinschauen ist der Unterschied immer zu sehen. Daher kann man auch so ehrlich sein und die neuen Teile unbehandelt lassen - den Rest macht die Zeit. Wer überhaupt nicht mit der goldglänzenden Oberfläche leben möchte, kann die Beschläge auch der Witterung aussetzen.

Eine andere Möglichkeit, Messing alt und matt zu machen, ist, die Messingteile in einem Gleitschleifer einige Zeit rotieren zu lassen. Mittels der Rotation von Steinen werden Metallteile entgratet, raue Oberflächen glatt und hochglänzende stumpf und matt. Mit der Optik einer natürlichen Patina kann das Ergebnis leider nicht mithalten, da die Runzeln einer mechanischen Behandlung zu gleichmäßig sind. Alternativ können die Beschläge auch chemisch behandelt werden. Mit einer Bräunierung kann den Beschlag sich von leicht hellbraun bis zu anthrazit färben, je nachdem wie lange man den Beschlag in die Lösung hält. Dies kann auch gut aussehen, fast modern, ist aber nicht zu vergleichen mit der natürlichen Alterung.

Eisen alt aussehen lassen

Bei Eisen gibt es ähnliche Probleme: die meisten Bauherren möchten altes Eisen als Oberfläche haben, aber altes Eisen ist meist schon einmal gerostet und bekommt dann eine dunkelbraune Schicht. Das Material ist schon angegriffen und zeigt die Spuren der Zeit. Dem neu gedrehten Eisendrücker fehlen diese Charaktereigenschaften – das Material ist glatt und hellgrau und rostet sofort, wenn es der Feuchtigkeit ausgesetzt ist.

Verschiedene Firmen wenden verschiedene Verfahren an, um Eisen alt aussehen zu lassen: manche haben Geheimtinkturen, die sie auf die Beschläge aufbringen und sie dann einige Tage nach draußen legen zur Befeuchtung. Sie bekommen dann eine Art Rostschicht und das Material bekommt in der Oberfläche Struktur. Andere brennen die Eisenbeschläge in Öl ein. Die Beschläge werden erhitzt und in Öl getaucht, so entsteht eine schwarze etwas scheckige Oberfläche. Auch wenn das Öl in die Poren eingedrungen ist, so ist das kein Korrosionsschutz und somit nicht für den Außenbereich geeignet.

Korrosionsschutz für Eisenbeschläge

Soll der Beschlag korrosionsgeschützt sein, kann man ihn verzinken: blau, gelb oder schwarz, wobei die gelbe Verzinkung am wenigsten bei Replikaten vorkommt, auch wenn sie den höchsten Korrosionsschutz verspricht. Die schwarze Verzinkung beziehungsweise Chromatierung hat den geringsten Korrosionsschutz, dafür aber den größten Vorteil im Bereich Altbau und Denkmalschutz. Es ist eine lebendige Oberfläche die sich mit der Zeit verändert. Sie kann aufgrauen und sich dort, wo man anfasst abgreifen. Die schwarze Verzinkung kann auch als „Eisen-Fake“ genutzt werden. Eisenguss in geringen Stückzahlen in Deutschland zu bekommen ist sehr schwer, daher ist Messing schwarz verzinkt eine gute Möglichkeit Eisenguss nachzuahmen. Reibt man die schwarze Schicht ein wenig ab, entsteht durch die darunterliegende Verzinkung eine graue eisenartige Oberfläche.

Ein wesentlich besserer Korrosionsschutz lässt sich durch die Feuerverzinkung erreichen. Gerade bei Fensterbeschlägen im Norden Deutschlands mit den sich nach außen öffnenden Fenstern ist das sinnvoll. Es gibt allerdings nicht mehr viele Firmen, die gerne wenige Kleinteile feuerverzinken. Im Normalfall werden die Teile in geschmolzenes Zink getaucht und danach aufgehängt.  Dabei entstehen Tropfnasen und die Bohrlöcher werden zugeschmiert. Bei Winkelbändern ist das höchst unpraktisch. Man kann sie als Schüttgut in einen Metallkorb füllen. Der Metallkorb wird in den flüssigen Zink eingetaucht und danach werden die Teile durch Rotation zentrifugiert. Der Nachteil dabei ist, dass Winkelbänder oft verbiegen und Stützkloben verloren gehen, daher sollten immer 10 % Verlust eingeplant werden.

Unterschiedliche Arten der Oberflächenveredelung

Eine gefragte Oberfläche ist die Verzinnung. Früher wurde gerne feuerverzinnt. Heutzutage findet man nur wenige Handwerker, die das noch anbieten. Alternativ können Beschläge auch galvanisch verzinnt werden. Das sieht erst einmal nicht so aus wie man sich es vorstellt, also wie ein Zinnteller oder Zinnsoldat. Stattdessen ist die Oberfläche sehr hell, noch heller als bei einer blauen Verzinkung. Ist ein dunklerer Farbton gewünscht, muss der Beschlag chemisch eingefärbt werden. Es entsteht eine interessante Oberfläche, die je nach Lichteinfall mal hell mal dunkel wirkt, wenn man sie leicht abreibt.

Das große Thema historische Beschläge kann hier nur angerissen werden; es gibt eine schier unendliche Vielfalt von Modellen, in Stil, Material und Fertigung. Wir, als Hersteller klassisch überlieferter Fenster- und Türenbeschläge, deren Ästhetik jeder modischen massenproduktionstechnischen Beeinflussung widerstanden haben, helfen die Authentizität eines Hauses zu bewahren.

Für mehr Informationen zum Thema besuchen Sie: www.tummescheit.de