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Mit Lehmmörtel verklebte Holzfaserdämmplatte

Innendämmung mit Naturbaustoffen im Denkmalschutz

Die Forderung nach verbesserter Wärmedämmung hat in den letzten Jahrzehnten zum Verlust zahlreicher historischer und ortsbildprägender Fassaden durch außen angebrachte Dämmschichten geführt. Dabei sind in vielen Fällen Innendämmungen die bessere Lösung. Risiken sind bei richtiger Ausführung nicht zu befürchten, dies zeigt die Praxis vieler guter Beispiele. Ein Gastbeitrag von Ulrich Röhlen verantwortlich für Marketing und Technik bei Claytec - Baustoffe aus Lehm.

Basis des folgenden Beitrags ist die Entwicklungsarbeit zur Innendämmung in den vergangenen Jahren. Skizziert werden die historische Entwicklung sowie bauphysikalische und bautechnische Grundlagen. Zur baulichen Ausführung werden praktische Hinweise gegeben und zur vorherrschenden »Dämmideologie« werden kritische Fragen gestellt. Abschließend werden zwei historische Bauten vorgestellt, die mit Lehm, Naturdämmstoffen und historisierenden Fenstern instandgesetzt wurden.

Historische Vorläufer von Innendämmungen

Viele sehr alte Fachwerkhäuser zeigen ein Fachwerk, dessen Balkenwerk sowohl von außen als auch inwendig holzsichtig war, wie alte Anstrichreste belegen. Der Auftrag von Innenputzlagen, die Ausfachungen und Balken bedeckten, war ein großer bautechnischer Fortschritt. Solche Überdeckung bestanden in der Regel aus Strohlehm mit Halmlängen bis 25 cm, Lehmfeinputz mit Flachsschäben und Kalkanstrich. Durch das flächige Überziehen der Wände mit plastischem Mörtel wurden ebene und glatte Flächen erzielt. Die Räume wurden nicht nur optisch aufgewertet, auch der Komfort wurde verbessert: Die Oberflächen strohhaltiger Lehmputze sind wärmer als die anderer Materialien, beispielsweise Natursteine mit hoher Rohdichte. Bei historischen Fachwerkwänden verbesserten Lehminnenputze die Wärmedämmung, die Winddichtung und den Brandschutz. Wurden auch die Deckenfelder und -balken verputzt, entstanden Räume die nicht nur repräsentativ waren, sondern auch höchsten Ansprüchen an die Luftdichtigkeit und den Feuchteschutz genügten.

Die über Jahrhunderte gemachten guten Erfahrungen mit den stark strohhaltigen historischen »Wärmedämmputzen« ermutigten Anwender in den neunziger Jahren dazu, diese Bautechnik weiterzuentwickeln. Nun wurden Dämmplatten aus Schilfrohr in Mörtelbetten aus Lehm an den Innenseiten von Fachwerkwänden versetzt. Anfängliche Bedenken aufgrund der mangelnden kapillaren Leitfähigkeit der Platten wurden im Laufe der Jahre durch die praktische Schadensfreiheit zerstreut. Der Nachteil der fehlenden Kapillarität behinderte aber den rechnerischen Beleg mit den sich immer feiner entwickelnden neuen hygrothermischen Nachweisverfahren zum Feuchteschutz. Auch die Dämmwirkung der Schilfplatten lag unter dem für moderne Dämmstoffe üblichen Bereich. So hatte diese Innendämmtechnik schon bald ihre Grenzen erreicht.

Historischer Innenputz aus Strohlehm
Historischer Innenputz aus Strohlehm

Entwicklung einer modernen Innendämmung

Bei den weiteren Überlegungen zu Innendämmung lagen die Schwerpunkte auf möglichst hoher Effektivität aber auch auf Fehlertoleranz im Hinblick auf Planung, Ausführung und Gebäudenutzung. Ein weiterer Aspekt war der Anspruch, den Regeln der Technik möglichst zu genügen. All dies macht die Entwicklung von Bausystemen notwendig, die neben den eigentlichen Dämmstoffen auch die Klebemörtel, Befestigungsmittel und Beschichtungsmaterialien umfassen sollten. Zum Verständnis dieser komplexen Aufgabenstellung seien die bauphysikalischen Grundlagen kurz erläutert.

Bauphysikalische Grundlagen

Verglichen mit außenliegenden Dämmungen können Innendämmungen im Hinblick auf den Tauwasserausfall in der Außenwand grundsätzlich problematisch sein. Tauwasser entsteht, wenn der Wasserdampfgehalt der Luft die Sättigungsgrenze erreicht (100 % relative Luftfeuchte). Im Winter diffundiert die warme Raumluft, die viel mehr Wasserdampf als die kalte Außenluft enthält, vom beheizten Raum her durch die Außenwand hin zur kalten Seite. Auf dem Weg durch die Wand kühlt die Raumluft dabei immer weiter ab. Da kalte Luft weniger Wasserdampf aufnehmen kann als warme, ist an einer bestimmten Stelle im Wandquerschnitt die Sättigungsgrenze erreicht. Der Wasserdampf wird zum flüssigen, kapillar leitbaren Wasser.

Verstärkt wird dieser Effekt durch kompakte und dichte außen liegende Schichten, welche die Diffusion des Dampfstroms bremsen und so den Wasserdampf in der Wand halten. Eine begrenzte Tauwassermenge im Bauteil kann toleriert werden. Sie darf bestimmte Grenzen nicht übersteigen. Daneben muss die Austrocknung in der warmen Jahreszeit gewährleistet sein. Andernfalls ist die Dämmkonstruktion untauglich.

Außenwandarten historischer Gebäude
Außenwandarten historischer Gebäude

Dampfsperrende Dämmung birgt Risiken für Fachwerk

Theoretisch ist es möglich, den Luft- und Dampfstrom von innen her durch ein dampfdichtes Material zu sperren und so sein Eindringen in die Konstruktion zu verhindern. Das Verfahren birgt jedoch besonders bei bewitterten Fassaden große Risiken: Eine dampfsperrende Lage ist ein Trocknungshemmnis für eingedrungenes Wasser aus Schlagregenbeanspruchung, das nun nicht mehr zum Raum hin austrocknen kann. Da der Feuchteeintrag durch die Bewitterung ggf. mengenmäßig eine viel größere Gefährdung als der Tauwasserausfall ist, muss der Austrockungsmöglichkeit eingedrungenen Wassers aus der Bewitterung große Aufmerksamkeit gewidmet werden. Dies gilt besonders für Fachwerkfassaden, bei denen Regenwasser durch die Fugen zwischen Balken und Ausfachungen in die Konstruktion eindringen kann.

Ein anderes Problem dampfsperrender Lagen liegt in der Sicherstellung des korrekten Einbaus, der nicht nur in der Fläche, sondern auch in den Anschlussbereichen ohne Fehlstellen und Leckagen erfolgen muss. Die sachgerechte Ausführung ist besonders im Fachwerkbau meist kaum durchführbar, in jedem Fall verursacht sie hohe Kosten. Aufgrund der oben beschriebenen Problematik werden Innendämmungen favorisiert, die ihre Funktion ohne dampfsperrende Innenlagen erfüllen. Die Dämmstoffe sollen kapillar leitfähig sein, um eine Konzentration von ausfallendem Tauwasser zu verhindern. Das Wasser wird durch die kapillare Leitung nach innen und außen in Richtung der Verdunstungsflächen transportiert. Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Baustoffe der Innendämmung sorptionsfähig sind, d.h. wenn sie Wasserdampf durch Adsorption im Material einlagern können, um so die mögliche Menge des Kondensats schon im Vorfeld der Sättigungsgrenze zu reduzieren.

Die Technik der Innendämmung soll eine kapillarkontaktschlüssige Ausführung ohne Unterbrechungen durch Hohlräume, Spalten und Luftschichten gewährleisten. Aus diesem Grund werden die Dämmplatten in Mörtel versetzt.

Innendämmung und Schlagregenbeanspruchung

Abgesehen vom Tauwasserausfall ist auch auf die Bewitterung zu achten: Je dicker Innendämmungen dimensioniert sind, umso mehr unterbinden sie ein »Durchheizen« der Wand. Kalte Wände trocknen nach der Beregnung langsamer als warme. Nach erfolgter Dämmmaßnahme können Holzbauteile wie beispielsweise Balkenköpfe längere Zeit Feuchtigkeit ausgesetzt sein, als sie es vorher bei ungedämmter Wand waren.

Besonders bei Sichtfachwerkwänden sollen nach Ansicht der »Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V. (WTA)« und anderer Fachleute nur einer begrenzten Regenbeanspruchung ausgesetzt werden. Die Schlagregenbelastung von fachwerksichtigen Fassaden soll weniger als 140 l/m² pro Jahr betragen. Der Grenzwert entspricht etwa der Beanspruchungsgruppe I nach DIN 4108. Besonders in Regionen der Schlagregenbeanspruchungsgruppen II und III nach DIN 4108 ist die Exposition zu prüfen. Die tatsächliche Witterungsbelastung einer Fassade kann nur im konkreten Einzelfall beurteilt werden. Kriterien sind beispielsweise:

  • Lage frei in der Landschaft oder geschützt, z.B. im Siedlungskern
  • Himmelsrichtung (Wetterseite / abgewandte Seite)
  • Zustand der Gefach- und Balkenoberflächen
  • Anteil der durch Witterung geschädigten Balken
  • Zustand der Fassaden der umliegenden Bebauung
  • Spuren früherer Verschalungen oder Verputze auf der gesamten Fachwerkfläche

Ausführung: Bauliche Vorbereitung der Innendämmung

Eine Belastung der unteren Bereiche der Außenwände durch aufsteigende Feuchte oder andere Feuchtequellen muss möglichst vollständig ausgeschlossen sein. Horizontale oder außenseitige Abdichtungsmaßnahmen sind jedoch in manchen Fällen nicht realisierbar. Abhilfe kann die innenseitige Sanierung mit Calciumsilikatplatten schaffen. Sie leiten die Feuchte kapillar zur raumseitigen Wandoberfläche, wo sie verdunsten kann. Außerdem wirken sie mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,65 W / mK als Dämmung.

Weiterhin ist Salzbelastung problematisch. Salze werden durch Feuchte gelöst und transportiert. Durch ihre hygroskopische Wirkung können sie selbst Ursache für feuchte Oberflächen sein, auch nach korrekt durchgeführter Abdichtung. Mürbe Altputze und Spuren früherer Sanierungen können Indizien für Salzbelastung sein. Besonders die Wände alter Stallgebäude sind durch Salze aus der Tierhaltung belastet, eine Untersuchung ist bei Umbauten meist erforderlich. Sollte eine Salzsanierung (Entsalzung) des Bauteils geboten sein, seien bestimmte Lehmputze empfohlen, die sich als sog. Opferputze gut bewährt haben.

Auf den Wandflächen müssen sperrende Beschichtungen entfernt werden, die den Kapillarstrom und die Austrocknung unterbrechen können. Dazu gehören Beschichtungen zum Spritzwasserschutz (Fliesen, Ölanstriche, Lacke) oder optisch wirksame Beschichtungen (Vinyltapeten, Dispersionsanstriche). Auch Beschichtungen aus organischen Materialien, die sich durch die Einbaufeuchte zersetzen können (Papiertapeten, Bekleidungen) sollen entfernt werden. Die vorhandenen Innenputze sind in der Regel ausreichend diffusionsoffen. Auch Gipsputze können grundsätzlich am Bauteil verbleiben. Vielfache Kleisteraufträge können jedoch dichtend wirken. Eine einfache Methode zur Prüfung der Offenheit ist der Benetzungsversuch. Dabei wird Wasser mit dem Quast aufgestrichen. Das Einziehen innerhalb weniger Minuten weist auf eine gute Saugfähigkeit hin, die als Indiz für eine ausreichende Diffusionsoffenheit gesehen werden kann.

Materialien für die Innendämmung

Folgende Dämmplattensorten haben sich bewährt und können mit Lehmmörtel angesetzt und verputzt werden:

Holzfaserdämmplatten werden mit Lehmmörtel an der Innenwand befestigt
Befestigung von Holzfaserdämmplatten mit Lehmmörtel

Holzfaserdämmplatten (HFD-Platten)

HFD- oder Holzweichfaserplatten bestehen aus feinen Holzfasern, die mit Wasser teigig aufbereitet oder trocken durch Druck und Hitze zu Platten geformt werden. Als Wärmedämmplatten sind sie in der DIN 68755-1 genormt. Die Bindung erfolgt meist ohne weitere Bindemittel durch die Form der Fasern und das freigesetzte Lignin („Nassverfahren“).

Einige Hersteller verwenden zusätzlich geringe Mengen Kunstharz-Bindemittel („Trockenverfahren“). Es werden amorphe und mehrlagige Platten angeboten. Die Platten sind diffusionsoffen, eine kapillare Leitfähigkeit ist in beschränktem Maß gegeben. CLAYTEC bietet eine spezielle im Nassverfahren hergestellte Platte mit Nut-und Federverbindung an, die durch ihr kleines Format von 40 x 100 cm an die Vorgabe meist kleinteiliger Flächen bei Denkmal- und Fachwerksanierung angepasst ist.

Calciumsilikatplatten

Die Platten werden aus aufgeschlämmtem Kalk, Sand und ggf. bewehrenden Fasern hergestellt. Die Komponenten werden in überhitztem Wasserdampf unter hohem Druck verpresst. Das Material zeichnet sich durch eine feinporige, kapillar leitfähige Struktur aus. Die Oberfläche ist glatt und saugfähig. Aufgrund der Alkalität und der guten kapillaren Leitfähigkeit werden sie meist dort eingesetzt, wo eine feuchte- und wärmetechnische Sanierung kombiniert werden soll.

Mineralschaum-Dämmplatten

Die Platten werden aus Quarzmehl, Kalkhydrat sowie Zement unter Zugabe eines Schäummittels hergestellt und im Autoklaven dampfgehärtet. Die Struktur ist mehr oder weniger kapillaraktiv, die Plattenoberfläche ist porös. Rohdichte und Wärmeleitfähigkeit sind deutlich niedriger als bei Calciumsilikatplatten. Die Festigkeit ist gering, in der Regel werden die Platten auf ebenen Untergründen von Massivbauten eingesetzt. Die Platten können nicht zusätzlich durch Dübel o. Ä. befestigt werden, der Lehmmörtel für die Klebung muss ausreichend haftfest sein.

Anbringen der Dämm-Platten

Die zäh-plastischen Lehmmörtel sind sehr gut zum Ansetzen der Platten geeignet. Die Art ihrer Erhärtung garantiert auch bei stark saugenden Untergründen und ohne Luftzutritt eine sichere Verfestigung: Lehmmörtel können nicht »aufbrennen«, da sie nur durch Trocknung erhärten. Sie sind diffusionsoffen und behindern somit nicht den Wasserdampfstrom zwischen der Außenseite der Dämmung und der Bestandswand. Die weitgehend fehlstellenfreie Ausführung der Mörtellage zwischen Dämmung und bestehender Außenwand ist für die Funktion wichtig. Als kapillar leitfähige Lage kann sie geringe Mengen von eingedrungenem Schlagregen (z. B. bei bewitterten Fachwerkfassaden) aufnehmen und von den Hölzern weg verteilen. Gleiches gilt für Tauwasser, das im Kontaktbereich zu den Dämmplatten ausfallen kann. Die größte Bedeutung liegt jedoch in der Sicherstellung des hohlraumfreien Verbundes zwischen Dämmplatte und Außenwand.

Die Dämmung darf nicht von feucht-warmer Raumluft hinterströmt werden, dies würde zu Problemen durch Oberflächenkondensat innerhalb des Wandaufbaus führen. Um Durchgängigkeit zu gewährleisten, muss die Mörtellage ausreichend dick sein. Zur Vermeidung langer Durchfeuchtung der Außenwand und insbesondere auch von Dämmplatten aus pflanzlichem Material darf sie jedoch nicht dicker als 1 cm ausgeführt werden. Reicht dies zum Erreichen einer ebenen Fläche nicht aus ist zunächst eine Ausgleichslage aus Lehmputzmörtel aufzubringen. Diese muss vor dem Einbau der Dämmung ausgetrocknet sein. Die Platten können direkt in plastische Mörtellagen eingesetzt werden. Werden die Platten auf zuvor ausgetrocknete Ausgleichsschichten oder andere planebene Flächen geklebt, so wird eine dünne Lage Lehmkleber mit dem Zahnspachtel aufgezogen. Der Lehmkleber soll eine gute Haftfestigkeit haben. Ein zu diesem Zweck eigens entwickeltes Produkt, der CLAYTEC Lehmklebe- und Armierungsmörtel, weist mit 0,85 MPa eine etwa vierfach größere Haftfestigkeit als übliche Lehmputzmörtel auf. Um einen flächigen Kontakt zwischen Platte und Klebelage zu gewährleisten, werden Holzfaserdämmplatten unmittelbar nach dem Ansetzen mit langen Schrauben und Unterlegscheiben, Schlagdübeln oder WDVS-Befestigungsmitteln fest ins Mörtelbett gepresst.

Mit Lehmmörtel verklebte Holzfaserdämmplatte
Mit Lehmmörtel verklebte Holzfaserdämmplatte

Auftragen von Innenputz

Meist werden die Platten ohne vorherige Grundierung mit einer ca. 3 mm dicken Armierungslage aus Lehmklebe- und Armierungsmörtel oder CLAYTEC Lehm-Oberputz fein mit Gewebe versehen. Darauf folgt ein Dünnlagenfinish aus farbigem Lehm-Designputz oder Lehm-Oberputz fein mit Anstrich. Auch ein Putzaufbau von bis zu 15 mm Gesamtdicke ist möglich, ggf. vorbereitet mit Grobkorn-Grundierung. Für einen Putzaufbau mit mehr als 15 mm Dicke (z. B. für Wandflächenheizungen) sind die Plattenflächen mit Lehmklebe- und Armierungsmörtel vorzubereiten, der mit dem Zahnspachtel aufgetragen wird. Bei jedem Putzaufbau ist ein Bewehrungsgewebe, z.B. CLAYTEC Flachsgewebe, in die noch ausreichend feuchte Oberfläche der ersten Lage einzuarbeiten.

Die Saugfähigkeit von Holzfaserdämmplatten ist wesentlich geringer als die von Massivbaustoffen. Bei dicken Putzlagen muss daher die sichere Trocknung besonders sorgfältig gewährleistet werden.

Einbindende Wände und Decken, Fenster und Türleibungen

Für einbindende Innenwände und Decken wird vielfach eine flankierende Dämmung im Anschlussbereich zur Außenwand empfohlen. Ziel ist es, den Energieabfluss zu minimieren und eine kritische Oberflächen-Auskühlung zu verhindern. Da dies aufwändig ist und die Dämmkeile oder Plattenkanten im Raum stören, hier einige Anmerkungen.

Die Gefahr der Oberflächentauwasser- und Schimmelbildung besteht bei historischen Baustoffen wie Holz und Lehm in der Regel nicht, da die Wärmeleitfähigkeit nicht so ungünstig ist, dass die Oberflächen in den kritischen Temperaturbereich kommen können. Gleiches gilt für Ziegel mit Rohdichten 1600 kg / m³. Auch viele andere Konstruktionen wie z. B. Wände aus Ziegeln mit Rohdichten ≤ 1800 kg / m³ können unbedenklich sein. So liegt die relative Luftfeuchte in Räumen zentral beheizter Altbauten im Winter eher bei 40 % als bei 50 %. Berechnungen zeigen unter der Voraussetzung von 40 % in der Regel unkritische Oberflächentemperaturen. Fenster- und Türleibungen sollen nach Möglichkeit gedämmt werden, schon die minimale Dicke von 20 mm ist zur Erhöhung der Oberflächentemperatur wirkungsvoll. Sorptionsfähige Lehmputze wirken durch ihre Pufferwirkung Auffeuchtungen entgegen. Ihre diesbezüglichen Eigenschaften werden von kaum einem anderen Baustoff erreicht. Sie sind wichtige Bestandteile der hier beschriebenen Innendämmsysteme.

Dies zeigt die Betrachtung einer Wärmebrücke (z. B. einbindende Wand): An kalten Oberflächen steigt die relative Luftfeuchte (rF). Bei 80 % rF können Lehmputze in 12 Stunden bis zu 80 g/m2 mehr Wasserdampf aufnehmen als bei 50 % rF. Dies ist eine beachtliche Pufferreserve.

Vergleich ungedämmter und gedämmter historischer Außenwandarten

Außenwand ungedämmt U in W/m²K mit 4 cm Platte U in W/m²K mit 6 cm Platte U in W/m²K mit 8 cm Platte U in W/m²K
Ziegel 36 cm 1,36 0,61 0,48 0,40
Ziegel 24 cm 1,82 0,68 0,52 0,42
Naturstein 30 cm 2,82 0,79 0,58 0,46
Ziegel 24 cm (zweischalig) 1,28 0,60 0,47 0,39
KS-Stein 17 cm (zweischalig) 1,19 0,57 0,45 0,38
Fachwerk 14 cm Lehm (leicht) 1,20 0,57 0,46 0,38
Fachwerk 14 cm Lehm 1,69 0,65 0,50 0,41
Fachwerk 14 cm Ziegel 1,93 0,68 0,52 0,42
Fachwerk 14 cm Naturstein 2,66 0,72 0,55 0,44

Innengedämmte Räume lassen sich schneller erwärmen

Die Tabelle zeigt die U-Werte historischer Außenwände ohne Dämmung und die U-Werte die sich mit moderaten Innendämmungen aus HFD-Platten von 4, 6 und 8 cm Dicke erreichen lassen. Die Tauwassersicherheit kann auch bei noch dickeren Dämmungen ggf. rechnerisch nachgewiesen werden. Allerdings steigt der Nutzflächenverlust. Die Schlagregenbeanspruchung kann für Balkenauflager zum Risiko werden. Generell werden die Anschlüsse problematischer. Dabei sind die Verbesserungsmaße bei den vorgeschlagenen Dicken schon beachtlich. Bei 6 cm liegen sie im Mittel beim Faktor 3–3,5. Das heißt, der Wärmedurchgang wird auf etwa ein Drittel des vorherigen Wertes reduziert!

Eine wesentliche Stärke der Innendämmung liegt auch in der schnellen Erwärmungsmöglichkeit der Räume. Diese Eigenschaft kommt modernen Nutzungsgewohnheiten entgegen, bei denen Räume oft nur für wenige Stunden am Tag genutzt werden. Auch dies ist ein wesentlicher Beitrag zur Energieeinsparung. Besonders effizient wird es, wenn die Heizung über die Wandflächen erfolgt. Dazu werden Heizrohre mit Lehmmörtel eingeputzt, der Putz wird somit zum Heizkörper. Die Wärme wird per Strahlung in den Raum abgegeben. Dies fördert die schnelle Erwärmung und ist auch für die Behaglichkeit vorteilhaft. Aufgrund der geringen Wassertemperatur dieses Heizungssystems lassen sich regenerative Wärmequellen wie Wärmepumpen und Solaranlagen optimal nutzen.

Der erste Zentimeter dämmt am besten
Übersicht Dämmwerte: Der erste Zentimeter dämmt am besten

Der erste Zentimeter dämmt am besten

Von Niedrigenergie- und Passivhäusern sind wir heute deutlich geringere U-Werte als die hier gezeigten gewöhnt. Doch auch moderatere Dämmungen sind wirtschaftlich, wie das Bild oben zeigt. Seine Aussage in knapper Form: "Der erste Zentimeter dämmt am besten". Die Energieagentur NRW schreibt: "Schon mit einer Dämmdicke von 6 cm kann der Wärmeverlust um mehr als 50% reduziert werden – auch dann, wenn die Wärmebrückeneffekte durch fehlende Dämmung bei den Decken- und Wandanschlüssen mit berücksichtigt werden. […] der Kurvenverlauf wird schon bei recht geringen Dämmdicken relativ flach, sodass auch mit einer Verdopplung auf 12 cm nur noch wenig mehr an Einsparung herauszuholen ist".

Unabhängig davon ist anzumerken, dass der errechnete U-Wert nur einen Teil der energetischen Wirklichkeit abbildet. Massivwände werden durch die rein auf den U-Wert fokussierte Sichtweise meist unterbewertet, da die für das reale thermische Verhalten wesentliche Eigenschaft der Speicherfähigkeit unbeachtet bleibt. Erhebliche Auswirkung hat auch die solare Zustrahlung. Sie wird besonders bei dunklen Fassaden wirksam. In der Heizperiode liegt sie im Mittel bei 65 W/m2. Selbst bei diffusem Sonnenlicht wird Energie eingetragen. Der tatsächliche Wärmestrom durch die durch Sonnenenergie vorgewärmten Bauteile ist viel geringer als durch kalte Bauteile.

Energieeffizienz geht auch ohne Dämmung

Die Denkweise, nach der ein niedriger U-Wert in stets gleicher Weise zur Energieeinsparung beiträgt, blendet auch die Unterschiedlichkeit der Klimaregionen Deutschlands aus. Beim Wohnhaus Nettetaler Straße 106 in Viersen (Niederrhein) kommen alle hier aufgezeigten Faktoren zusammen. Das Gebäude aus der Mitte des 18. Jahrhunderts hat 40 cm dicke, ungedämmte Außenwände aus dunklem Backstein. Die Fenster stammen aus der Erbauungszeit und sind einfach verglast. Trotz der sehr intensiven Nutzung durch eine fünfköpfige Familie liegt der Jahresverbrauch bei etwa. 120 kWh/a pro m². Die Literatur ließe einen Verbrauch von etwa 300 kWh/a pro m² erwarten. Fatalerweise werden auf solche Annahmen Entscheidungen gegründet, die Kulturwertverlust und Unwirtschaftlichkeit zur Folge haben.

Denkmalgeschütztes Wohnhaus in Viersen hat trotz ungeämmter AUßenwaände einen niedrigen Energieverbrauch
Wohnhaus in Viersen: Niedriger Energieverbrauch geht auch ohne Dämmung

Projektbeispiele

Das Zieglerhaus

Das Zieglerhaus aus dem Jahr 1908 ist Teil einer Ringofenziegelei, deren Gebäude als Denkmalensemble geschützt sind. Die gesamte Anlage wird heute von CLAYTEC – Baustoffe aus Lehm – als Produktionsstandort genutzt. Die Ziegelproduktion war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Saisongeschäft, da die Rohlinge im Freien frostfrei trocknen mussten. So diente das Zieglerhaus der Unterbringung und Verköstigung der Ziegelmeister, Gesellen und Arbeiter. Diese übernachteten in einem großen Schlafsaal im Obergeschoss.

Mit dieser Raumstruktur hat das Gebäude nicht nur sozialgeschichtlichen Aussagewert. Es ist gleichermaßen für die Nutzung als Seminargebäude prädestiniert. Zukünftig sollen hier die Herstellung und Anwendung authentischer denkmalgerechter Baustoffe einem großen Kreis von Architekten und Handwerkern erlebbar gemacht werden.

Die Innendämmung dient hier lediglich der thermischen Entkopplung der geheizten Raumluft von den Außenwänden aus 40 cm dickem Ziegelmauerwerk. Sie besteht aus 2 cm dicken Schilfplatten, die in Lehmmörtel versetzt sind und mit dem gleichen Material verputzt werden. Die Fugen zwischen den Blendrahmen der neuen Fenster und dem Mauerwerk wurden wie um die Jahrhundertwende üblich mit Papier gedichtet. Die Fenster sind einfach verglast. Das Spiel von Licht und Reflektion entspricht somit weitgehend dem schönen ursprünglichen historischen Zustand. Ebenso erhalten wurden die Proportionen von Glasflächen, Rahmen und Sprossen. Dieses Zusammenspiel dieser Elemente ist für das Erscheinungsbild der Fassade von großer Bedeutung. Da die Seminarnutzung temporär und insbesondere während der warmen Jahreszeit geplant ist, fiel die Entscheidung zu dieser anspruchsvollen Art der denkmalgerechten Sanierung leicht.

Fensteranschluss mit dämmenden Schilfrohrplatten
Fensteranschluss mit dämmenden Schilfrohrplatten
Innendämmung mit Schilfrohrplatten
Innendämmung mit Schilfrohrplatten

Kolonialwarengeschäfts- und Wohnhaus

Das zweistöckige Haus wurde 1877 erbaut. Es beherbergte ein Kolonialwarengeschäft und diente unterschiedlichen gewerblichen Nutzungen. Auch dieses Gebäude besteht aus 40 cm dicken Ziegelwänden in regionaltypischer braunroter Farbe. Es steht städtebaulich markant an einer viel befahren Bundesstraße, an der ganze Gruppen dieser ruhig und harmonisch wirkenden Hausgattung erhalten sind. Das Gebäude ist Teil eines ziegelsichtigen und zum Teil denkmalgeschützten Ensembles, das von CLAYTEC als zentrale Büroanlage genutzt wird. Die Innendämmung besteht aus 5 bzw. 6 cm dicken Mineralschaum- oder Holzfaserdämmplatten. Sie wurden mit einer dünnen Lage aus Lehmkleber an den weitgehend intakten alten Kalkputzflächen befestigt. Auch die raumseitige Endbeschichtung erfolgte dünnlagig.

Alle Räume sind mit farbigen Lehm-Designputzen gestaltet. Für die gut belichteten Flächen gegenüber den Fenstern wurden kräftige Töne gewählt, für die diffus und mit Streiflicht beleuchteten übrigen Flächen helle Töne des jeweils gleichen Farbtons. Besonders sorgfältig sind die Fensterleibungen gestaltet. Durch ihre für die Bauzeit übliche Abschrägung verbessern sie die Lichtausbeute der Fensteröffnung. Die Leibungsflächen wurden weiß gestrichen, der Anstrich wurde durch einen 2 cm breiten Streifen auf die Wände fortgeführt. Durch diesen Kunstgriff erscheinen auch Altbaufenster als sehr große und hell wirkende Lichtflächen in der Wand. Die historische Fensteraufteilung aus zwei Drehflügeln und Oberlicht war bekannt. Sie ist für die Zeit regionaltypisch.

Eine Besonderheit dieses Gebäudes sind die um 1930 angebrachten Putzfaschen aus Zementmörtel. Die Fenster sind doppelt verglast, wobei auf möglichst schlanke Rahmen und Sprossen Wert gelegt wurde. Insgesamt ergibt sich außen wie auch innen ein harmonisches Bild. Die Fenster wirken wie Rahmen für die Ausblicke auf die umliegenden alten Gebäude und Gärten.

Altbaufenster umschlossen von Wänden mit farbigem Lehmputzz
Farbiger Lehmputz und Altbaufenster schaffen eine einzigartige Atmosphäre

Sie möchten mehr über die Innendämmung von historischen Gebäuden erfahren? Dann lohnt ein Besuch der Website von CLAYTEC.


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