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Holzfenster in der Produktion

Holzfenster: Welche Holzarten sind nachhaltig und welche nicht?

Nachhaltigkeit bewährter Holzarten für Fenster im Vergleich

Holz war über Jahrhunderte hinweg ein alternativloser Werkstoff im Fensterbau. Unsere Vorfahren verwendeten vorwiegend heimische Holzarten. Zur Fertigung von Holzfenstern für Neubau, Altbau und Denkmal werden diese Holzarten noch heute verwendet. In Sachen Herkunft, Qualität und Verarbeitung hat sich seither vieles verändert und das leider nicht immer zum Guten. Ein Lichtblick ist jedoch eine besonders robuste und nachhaltig erwirtschaftete Holzart aus Spanien.

Die Vielfalt an Fensterholz war im Mittelalter und den darauffolgenden Jahrhunderten vor der Industrialisierung sehr überschaubar. Nur wenige regional verfügbare Holzarten wurden zum Bau von Fenstern verwendet. Ein internationaler Holzhandel, wie er heute stattfindet, war damals unvorstellbar. Vorrangig verwendet wurden die Holzarten, die in heimischen Wäldern zu finden waren. Darunter Holzarten wie:

  • Stieleiche
  • Traubeneiche
  • Weißtanne
  • Fichte
  • Waldkiefer
  • Lärche  

Regionale Holzarten für Fenster immer gefragter

Früher aus Mangel an Alternativen sind es heute eher ökologische Gründe, warum das Interesse an regional erwirtschaftetem Holz zunimmt. So auch bei Bauherren und Eigentümern, die sich aus persönlichen oder denkmalpflegerischen Gründen für den Kauf neuer Holzfenster entscheiden. Die Herkunft des Holzes, die CO2-Bilanz und eine nachhaltige Forstwirtschaft erhalten eine immer größere Bedeutung.

Ein nachhaltiges Holzfenster muss neben einer guten Wärmedämmung und einer optimalen Dauerhaftigkeit gegenüber Schädlingen und Pilzen, weitere wichtige Eigenschaften erfüllen:

  • Beständigkeit gegen Temperaturschwankungen und Sonnenstrahlung
  • Wetterfestigkeit
  • Schallschutz
  • Einbruchhemmung
  • möglichst kurze Transportwege für den Rohstoff Holz
  • zertifiziertes Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern

Kiefer: Fensterholz mit dem bestem Preis-Leistungsverhältnis

Kiefernholz eignet sich besonders für Fenster, die unter einem geringen bis normalen Witterungseinfluss stehen. Für den Einsatz im Fensterbau wird  das Holz vierfach beschichtet und erhält dadurch eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Feuchte und Schädlingsbefall.

Die vergleichsweise geringe Rohdichte von Kiefernholz hat Vor- und Nachteile. Ein klarer Vorteil ist die gute Wärmedämmung von Fenstern aus Kiefernholz. Für die Einbruchhemmung ist die geringe Rohdichte eher ein Nachteil.   

Fensterholz aus Kiefer (pinus sylvestris) stammt größtenteils aus osteuropäischen Wäldern. Es hat dank der kurzen Transportwege eine gute CO2-Bilanz. Kiefer gehört zu den preislich günstigeren Holzarten. FSC- und PEFC-Label belegen einen vorwiegend nachhaltigen Anbau.

Fichte: Klimaschonend und meist aus heimischen Wäldern

Das Holz der Fichte wird überwiegend in unseren heimischen Wäldern erwirtschaftet. Der Nadelbaum Fichte beansprucht etwa 26 % der deutschen Waldfläche und ist die am häufigsten vorkommende Baumart in Deutschland. Durch Sturm- und Dürreschäden sowie die Ausbreitung des Borkenkäfers sind die Bestände in letzter Zeit deutlich gesunken, was zu einem Überangebot an Fichte-Schnittholz am Markt geführt hat. Lange Transportwege sind deshalb eher die Ausnahme, was sich wiederum positiv auf die Klimabilanz und die Nachhaltigkeit von Fichtenholz auswirkt. FSC und PEFC zertifziertes Fichtenholz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern zu beziehen stellt in der Regel kein Problem dar.

Eine Garantie, dass jegliches in Deutschland gehandeltes Fichtenholz aus heimischen Wäldern stammt, gibt es jedoch nicht. Auch in russischen und nordamerikanischen Wäldern wird das Holz der Fichte eingeschlagen und für die Holzwirtschaft weiterverarbeitet. Fragen Sie deshalb Ihren Fensterhersteller nach der Herkunft des Holzes.

Fichtenholz ist gelblich bis rötlich-weiß und bekannt für seine Elastizität sowie das relativ geringe Gewicht. Im Fensterbau verspricht das Holz der Fichte eine gute Wärmedämmung und eine etwas bessere Maßhaltigkeit als Kiefer. Zudem ist Fichtenholz ein sehr guter Farbträger.

Fichtenholz
Das Holz der Fichte stammt größtenteils aus nachhaltigen Quellen

Lärche: Robustes Nadelholz aus hohen Lagen

Ein weiteres Nadelholz, das sich für den Bau von Fenstern eignet, ist die Lärche. Es hat eine feinere und dunklere Struktur als Kiefer und ist mit einer Rohdichte von bis zu 650 kg/m³ auch deutlich robuster.

Wer Fenster aus Lärchenholz beziehen möchte, muss dafür etwas mehr ausgeben, als für Fenster aus Kiefer oder Fichte. Das mag daran liegen, dass das qualitativ beste Holz der Lärche nur in höheren Regionen oberhalb 1.400 Höhenmeter und bei optimalen klimatischen Wetterbedingungen wächst. Der Bezug von nachhaltigem Lärchenholz mit FSC- oder PEFC-Label ist problemlos möglich. Allerdings sollte man im Sinne des Klimaschutzes auf das Herkunftsland achten, denn das Holz der Lärche wird meist aus Kanada oder Sibirien importiert.

Unter den Nadelhölzern gehört die Holzart Lärche zu den härtesten und robustesten Bauhölzern. Es gilt als besonders witterungsbeständig und haltbar. Aufgrund seiner soliden Eigenschaften wird Lärchenholz sehr vielseitig im Hausbau eingesetzt und das nicht nur in Innenräumen für Wandverkleidungen oder Böden, sondern auch im Außenbereich für Balkone oder Giebelkonstruktionen.

Meranti: Zweifelhaftes Tropenholz aus Südostasien

Das Tropenholz Meranti ist im Fenstermarkt noch immer recht weit verbreitet. Es gilt als die bedenklichste und klimaschädlichste Holzart für den Bau von Fenstern, da es laut Umweltschutzorganisationen zum größten Teil aus illegalem Einschlag von Regenwald in Indonesien und Malaysia stammt. Der illegale Einschlag von Regenwald zur Gewinnung von Holzarten wie Meranti führt zum Verlust von Lebensraum seltener Tierarten und Pflanzen. Hinzu kommt, dass der Raubbau am Regenwald sensible Torfmoorwälder zerstört, die als wichtiger Methan und CO2-Speicher gelten. Das setzt zusätzliche Massen an Treibhausgasen frei und fördert den Klimawandel.  

Verkauft wird Meranti-Holz auf illegalem Wege als Plantagenholz. Aufgrund solcher Machenschaften verkaufen indonesische Plantagen dreimal mehr Holz, als sie eigentlich hergeben müssten. Entsprechend niedrig ist der Preis für Meranti-Holz. Lediglich 5 bis 10 % Mehrpreis gegenüber Kiefer verlangt ein großer deutscher Online-Anbieter für Fenster. Meranti hat - je nach Qualität - eine Rohdichte zwischen 450 kg/m³ und 600 kg/m³, ist relativ formstabil und leicht zu verarbeiten.

Eiche: Hochwertig, robust und oft weitgereist

Eiche ist eine weitere heimische Holzart, die im Fensterbau verwendet wird. In deutschen Wäldern ist immerhin jeder zehnte Baum eine Eiche. Da allerdings die Nachfrage das heimische und europäische Angebot deutlich übersteigt, wird Fensterholz der Weißeiche (quercus alba) größtenteils aus Nordamerika importiert. Aufgrund des langen Transportweges ist Eichenholz in diesem Fall dann nicht besonders nachhaltig.

Das Kernholz der Weißeiche besitzt eine gute Resistenz gegen Schädlinge und eine hohe Rohdichte von bis zu 770 kg/m³. Im Bereich des Fensterbaus ist Eiche die wohl hochwertigste Holzart. Gegenüber der günstigeren Kiefer kann der Mehrpreis 40 % und mehr ausmachen. Das mag an der generell hohen Nachfrage liegen, denn auch Wein- und Whiskeyfässer werden aus diesem Holz hergestellt. Eichenholz kann in der Regel problemlos aus zertifiziert nachhaltigem Anbau bezogen werden.

Robustes Fensterholz Eukalyptus globulus
Eukalyptus Globulus: Robust, nachhaltig und europäisch regional

Eukalyptus globulus: Ein ideales Fensterholz, das kaum jemand kennt

Eine echte Alternative zu Tropenholz, Eiche und heimischen Nadelhölzern ist das in Deutschland für den Fensterbau noch recht unbekannte Holz des Eukalyptus globulus Baums (Eucalyptus globulus). Die Holzart eignet sich hervorragend für den Bau hochwertiger Holzfenster, ist preislich attraktiv und wird in Galizien im Nordwesten Spaniens auf nachhaltig bewirtschafteten Plantagen angebaut. Die Eukalyptusart globulus stammt ursprünglich aus dem Süden Australiens und wird seit 2006 vom Verband Fenster und Fassade (VFF) als Holzart für die Herstellung RAL-gütegesicherter Holzfenster gelistet.

Mit einer außergewöhnlichen Rohdichte von 840 kg/m³ bis 910 kg/m³ übertrifft das galizianische Eukalyptus globulus selbst die Weißeiche in Sachen Robustheit. Entsprechend prädestiniert ist die Holzart für den Bau von einbruchhemmenden Holzfenstern. Auch die Dauerhaftigkeitsklasse 1-2 ist besser als bei den bisher erwähnten Holzarten. So kann selbst Hagelschlag dem Holz kaum etwas anhaben. In Sachen Schallschutz sind Fenster aus Eukalyptus globulus Holz führend.
Der Aufpreis gegenüber Fenstern aus Kiefer liegt bei etwa 20 % und ist bei der Vielzahl an positiven Eigenschaften fast zu vernachlässigen.

Die Vielseitigkeit, die dezente Maserung und die Langlebigkeit von Eukalyptus globulus sorgt auch in der Denkmalpflege für Begeisterung. Zwar müssen die zuständigen Denkmalschutzbehörden in Sachen "heimische Hölzer" ein Auge zudrücken, dafür können sie sicher sein, dass die Fenster bei sachgemäßer Behandlung viele Jahrzehnte halten und so den Erhalt heimischer Kulturgeschichte langfristig sichern.

Auch außerhalb der Fenster- und Denkmalbranche hat die noch recht unbekannt Holzart eine große Zukunft. Die besondere Witterungsbeständigkeit und seine Beständigkeit gegen Fäulnis macht es zu einem sehr robusten Holz für Terrassen- und Balkonböden. Eukalyptus globulus findet auch im Innenbereich eines Hauses vielseitige Anwendungsmöglichkeiten, so zum Beispiel als Bodenbelag oder zum Bau von Wandverkleidungen, Haustüren oder Treppen.   

Bewährte Arten von Fensterholz im Vergleich

Holzzart Accoya Eiche Eukalyptus Globulus Fichte Kiefer Lärche Meranti (dunkel)
Botanischer Name Pinus radiata Quercus spp. Eucalyptus globulus Picea abis Pinus sylvestris Larix spp. Shorea spp.
Weitere Namen Weißeiche Blue Gum Rotfichte, Rottanne Föhre, Forche
Wuchsgebiet Neuseeland Nordamerika Galizien, Spanien Europa, Nordamerika, Russland Europa Mittel- und Osteuropa, Nordostasien Südostasien
Dauerhaftigkeit (Klasse 1 bis 5) 1 2-3 1-2 4-5 Kern 3 / Splint 5 3-4 2-3
Rohdichte (kg/m³) 450-610 670-770 800-900 400-500 440-600 470-650 550-650
Oberflächenhärte (N/mm²) 31 50 12-16 14-23 19-25 21-26
Dimensionsstabilität sehr gut mittel mittel gut mittel bis gut mittel bis gut gut
Nachhaltigkeitszertifizierung PEFC PEFC, FSC PEFC, FSC PEFC, FSC PEFC, FSC PEFC Tropenholz
Kosten mittel hoch mittel gering niedrig mittel mittel

Thermoholz: Hoher Energieeinsatz für robusteres Fensterholz

Um die natürlichen Eigenschaften von Fensterholz zu verbessern, hat die Holzindustrie verschiedene innovative Verfahren entwickelt. Eine davon ist die thermische Behandlung. Sie soll die lange Lagerzeit zur Reduzierung des Feuchtegrades verkürzen. Mit hohem Energieaufwand und entsprechenden CO2-Emissionen wird das Holz auf bis zu 240 °C erhitzt. Das hat zum Ziel die Wasseraufnahmefähigkeit zu senken und die Resistenz gegen Pilzbefall zu erhöhen.

Thermoholz ist zwar etwas teurer, hat dafür aber bessere Wärmedämmeigenschaften als unbehandeltes Holz. Heimische Hölzer werden dank der thermischen Behandlung und moderner Vierfachbeschichtung wettbewerbsfähiger gegenüber importiertem Fensterholz mit höherer Rohdichte.

Nachhaltig ist diese Form der Holzbehandlung eher nicht. Wenn sich aber die Haltbarkeit durch die thermische Behandlung tatsächlich erhöht und das Holz die Wärmedämmung von Fenstern verbessert, könnte Thermoholz auf lange Sicht doch noch ein paar Nachhaltigkeitspunkte einsammeln.

Accoya Fensterholz: Chemisch behandeltes Holz vom anderen Ende der Welt

Mit einem noch recht neuen Verfahren können die technischen Eigenschaften der Holzart Kiefer verbessert werden. Bei der Acetylierung wird mit einem chemischen Verfahren Essigsäureanhydrid in das Holz eingebracht, was es besonders formstabil und haltbar macht. Der Hersteller verspricht eine bessere Wärmedämmung als bei gängigen Hart- und Weichholzarten und bewirbt die besonders lange Haltbarkeit im Außenbereich. Nicht so ausführlich spricht der Hersteller über das Holz der Radiata Kiefer (pinus radiata), das er vornehmlich verwendet. Es stammt aus Neuseeland und muss zunächst die halbe Welt umschiffen, bevor es in deutschen Eigenheimen zum Einsatz kommt. Entsprechend schlecht steht es um die Nachhaltigkeit und die CO2-Bilanz von Accoya-Holz.

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