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Alte Mauern, neue Träume: Wie ein Gutshof neu erstrahlt

Alexander Donato-Picker wuchs in einfachen Verhältnissen auf. In seiner Kindheit lebte er in einer bescheidenen Plattenbauwohnung in Wolfen bei Bitterfeld. Die Stadt war im 20. Jahrhundert ein wichtiger Chemiestandort. Nach dem Fall der Mauer litt sie aber, wie so viele andere Orte in der Region unter einer massiven Abwanderung. Alexanders Vater wollte mit seiner Familie auch weg. Aber statt gen Westen zu ziehen, hielt er kurz vor der Jahrtausendwende im Umkreis Ausschau nach einem günstigen und dennoch größeren Zuhause. Fündig wurde er in Pöthen, einem kleinen Dorf im Landkreis Jerichower Land.

Ein Gutshof mit bewegter Geschichte als neues Zuhause

1998 kaufte er dort den historischen Gutshof, der ursprünglich als Rittergut mit großer Parkanlage im 16. Jahrhundert errichtet wurde. Das Gebäude blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Erbaut als Rittergut 1587 war es bis ins 18. Jahrhundert in Adelsbesitz. Danach wechselten die Besitzer häufig, bis es 1864 von der Familie Leidloff gekauft wurde. Richard Leidloff und sein Sohn Adolf Leidloff prägten den Gutshof bis ins Jahr 1947 als die Familie mit der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet wurde. Zu DDR-Zeiten wurde der Gutshof zunächst als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Dann war dort ein Konsum, dann ein Kindergarten und vorübergehend auch eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft untergebracht. Nach dem Mauerfall folgte schließlich ein langer Leerstand, der glücklicherweise ein Ende nahm als der Vater von Alexander Donato-Picker die Immobilien erwerben konnte.

Zwölf Jahre Substanzsicherung

Die Anschaffungskosten waren gering, die Herausforderung umso größer. 1.000 m² Wohnfläche und 3.000 m² Grundstück galt es für die Familie herzurichten und das mit wenig Zeit und Geld. An Wochenenden und in den Ferien nahm der Vater seinen Sohn Alexander mit nach Pöthen, wo sie gemeinsam an der Sanierung des Gutshofes arbeiteten. Als Kind genoss Alexander Donato-Picker diese Zeit und wahrscheinlich entstand damals auch die Liebe zur alten Bausubstanz. 
Es dauerte nicht lange, da zog die Familie um. "Beim Einzug fiel der Putz von der Decke, die Fenster waren eingeworfen, es gab weder Elektrik, noch sanitäre Anlagen, ja noch nicht mal eine Heizung war vorhanden." erinnert sich Donato-Picker. "Was folgte waren 12 Jahre Substanzsicherung" ergänzt er. 
 

Als aus Plänen Verpflichtungen wurden

Später als Jugendlicher nahm sein Interesse am alten Gutshof merklich ab. Der Vater verbrachte viel Zeit auf der Baustelle, das Geld war stets knapp und so schmiedete Alexander Donato-Picker andere Pläne. Er wollte Wirtschaftspsychologie studieren und raus in die große, weite Welt, sein eigenes Leben aufbauen. Doch natürlich kam alles anders. 
Sein Vater offenbarte ihm, dass er dem Studium nicht im Wege stehen möchte, er seinen Sohn aber auch nicht finanziell unterstützen kann, da das vorhandene Geld in das Haus investiert werden musste. "Geh doch zur Bundeswehr, da kannst Du gutes Geld verdienen und uns vielleicht noch etwas unterstützen" lautete der Gegenvorschlag des Vaters. Auch wenn Alexander Donato-Picker eigentlich keine großen Berührungspunkte zur Bundeswehr hatte, stimmte er dem Vorschlag des Vaters zu und bewarb sich für eine Offiziersausbildung. Die Zusage des Heeres nahm der Vater gleich zum Anlass dem Sohn noch mehr Verantwortung zu übertragen. Mit 23 Jahren machte er ihn zum Eigentümer des Gutshofs. Plötzlich trug Donato-Picker nicht nur die Verantwortung für sein Leben, sondern auch für einen sanierungsbedürftigen Gutshof und damit gleichzeitig auch für das Zuhause seiner Familie.

Aufkommende Leidenschaft für Antiquitäten

Zu dieser Zeit nahm sein Vater ihn oft mit auf die Flohmärkte in der Umgebung. Mühevoll versuchte der Vater mit dem Verkauf von Antiquitäten ein kleines Zusatzeinkommen zu verdienen. Alexander Donato-Picker hingegen interessierte sich sehr für die Geschichte der antiken Möbel, Lampen und Wohnaccessoires. Er verbrachte viel Zeit mit der Recherche und begann selbst mit dem Handel der Antiquitäten. Dabei entdeckte er auch sein Verkaufstalent und so konnte er sich auch während seiner vierjährigen Offiziersausbildung in München immer ein gutes Zubrot verdienen. "Das verdiente Geld habe ich meistens in den Diskotheken wieder ausgegeben" erinnert sich Donato-Picker an seine wilden Zeiten zurück.

In München nahm nicht nur der Handel mit Antiquitäten seinen Anfang, hier lernte Alexander Donato-Picker auch seine Frau Francesca kennen. Mit einem Versprechen überzeugte er die professionelle Sängerin im Jahr 2018 mit ihm nach Pöthen in das historische Gutshaus zu ziehen. "Ich habe ihr mein Wort gegeben, dass ich Sie in Pöthen beim Aufbau Ihrer Musikkarriere unterstütze" ergänzt der Gutshaus-Besitzer. Das Versprechen wurde erfüllt. Heute ist Francesca Donato eine gefragte Hochzeits- und Eventsängerin in der Region.

Wertvolles Fachwissen bei Fachportal "Fenster im Baudenkmal" gefunden

Die Sanierung des historischen Gutshofs schreitet ebenfalls voran. Kürzlich wurde die Küche umfassend saniert und mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Mit der Küchensanierung begann Alexander Donato-Picker auch sich mit dem Gewerk Fenster zu beschäftigen. "Schon kurz nach unserem Einzug in den alten Gutshof fiel mir auf, dass die Kunststoff-Fenster, die mein Vater zweckmäßig hatte, einbauen lassen, nicht zur historischen Fassade passen". Die vorhandenen Fenster in der Küche stammten sogar noch aus DDR-Zeiten. "Hier hatte sich ein Handwerker richtig viel Mühe gegeben. Aber leider entsprachen die Fenster nicht mehr den heutigen Anforderungen und da sie nicht bauzeitlich waren, haben wir uns entschieden sie gegen denkmalgerechte Fenster auszutauschen" ergänzt der Hausherr. Wie immer, wenn Donato-Picker sich mit einem neuen Thema beschäftigt, recherchiert er auch zu denkmalgerechten Fenstern zuerst intensiv im Internet. "Auf dem Fachportal fenster-im-baudenkmal.de habe ich viele wertvolle Informationen zum Umgang mit Fenstern in denkmalgeschützten Gebäuden gefunden." Das gewonnene Wissen wendete der Gutshausbesitzer direkt an und formulierte daraus seine persönlichen Anforderungen an die neuen Fenster. Auch die zuständige Denkmalpflegerin kontaktierte er und präsentierte dort seine Vorstellungen. Sie war mehr als einverstanden und erteilte basierend auf den formulierten Anforderungen die denkmalrechtliche Genehmigung. "Von da an war der Weg einer guten Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde geebnet" ergänzt Donato-Picker.

Auf der Suche nach einem kompetenten Handwerksbetrieb

Jetzt brauchte es nur noch den richtigen Handwerksbetrieb mit Denkmalerfahrung, der die Pläne in die Tat umsetzt. Verschiedene Schreiner aus der Umgebung wurden kontaktiert, doch keiner hatte die Zeit oder konnte die Wünsche des Bauherrn in der geforderten Detailtiefe umsetzen. Schmale Ansichtsbreiten, profilierte Glasleisten und historisierende Verglasungen – das war nicht das Fachgebiet der hiesigen Schreinereien. Über das Fachportal fenster-im-baudenkmal.de kam er auf die Tischlerei Jürgen Staschull aus Demsin. Schnell war ein Ortstermin mit Herrn Staschull vereinbart, bei dem sich herausstellte, dass die Anforderungen des Bauherrn realisiert werden können.

Historisierende Holzfenster mit vielen Besonderheiten

"Das Aussehen und die Qualität der neuen Küchenfenster hat uns sehr gut gefallen" sagt Alexander Donato-Picker. "Wir waren so begeistert, dass für uns schnell klar war, wir geben auch den Auftrag für die Fenster der hofseitigen Fassade an die Tischlerei Staschull." Gesagt getan, Mitte 2024 wurden die vorhandenen Kunststoff-Fenster gegen hochwertige Holz-Fenster mit vielen Besonderheiten getauscht. Optisch passen sich die neuen Fenster den historischen Vorbildern an. Innen wie außen wurden die Fenster mit einer schützenden dunkelbraunen Lasur versehen. Völlig verdeckt liegende Beschläge und geschlossene Brüstungsfugen reduzieren das innere Erscheinungsbild  auf das Wesentliche. Die traditionell profilierten Glasleisten und die ebenfalls nach traditionellem Vorbild profilierten Wiener Sprossen sind weitere Details für ein dem Denkmal gerechten Erscheinungsbild. Auch bei der Verglasung legte Alexander Donato-Picker besonderen Wert auf eine authentische Umsetzung.  Er entschied sich für ein maschinengezogenes Glas, das nach dem Fourcault-Verfahren auch heute noch hergestellt wird. Das stark gewellte Glas unterscheidet sich maßgeblich vom heute allgegenwärtigen perfekten Floatglas. Die unregelmäßige Oberfläche ähnelt dem traditionellen mundgeblasenen Glas, das ursprünglich im 19. Jahrhundert hergestellt wurde. "Jetzt können wir genau nachvollziehen, wie der Blick nach draußen hier im Haus vor 200 Jahren ausgesehen haben muss", fügt Donato-Picker begeistert hinzu, der mittlerweile auch seinen Handel mit Antiquitäten ausgeweitet hat und sich im alten Gutshof eine kleine Verkaufs- und Ausstellungsfläche für Kunst- und Antiquitäten geschaffen hat. 

Neue Projekte in Aussicht

Im Frühjahr 2025 fand das Projekt mit der Montage der denkmalgerechten Fenster an der straßenseitigen Fassade seinen vorläufigen Abschluss. Die fachgerechte Ausführung übernahm selbstverständlich die Schreinerei Staschull aus Demsin.
Alexander Donato-Picker hat währenddessen schon die nächsten Maßnahmen in Planung: Der vorhandene Rauputz an der Fassade soll durch einen authentischen Putz ersetzt werden, die Heizungsanlage ist mittelfristig zur Erneuerung vorgesehen, und auch der historische Stuck soll in den Innenräumen wiederhergestellt werden.

Fenster im Baudenkmal ist ein Fachportal nicht nur für Handwerker, Architekten oder Denkmalpfleger. Vor allem Eigentümer von Altbauten, historischen Gebäuden und Baudenkmalen finden hier wertvolle Informationen über den Erhalt, die Optimierung und den Nachbau von Holzfenstern aller Art.