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Fenster im Erdgeschoß sollten besonders gut gesichert sein

Denkmalgerechte Fenster mit Einbruchschutz

Kulturgeschichte mit Sicherheit bewahren

Die Aufklärungsquote für Einbruchdiebstähle in Deutschland stagniert seit mehr als einer Dekade. Jährlich werden über 80 % der Fälle nicht aufgeklärt und die Täter können ungehindert weiter in Häuser und Wohnungen einbrechen. Auch vor denkmalgeschützten Gebäuden machen Einbrecher keinen Halt, denn ein aufwendig saniertes historisches Gebäude lässt darauf schließen, dass sich ein Einbruch lohnen könnte. Lesen Sie hier wie sich ein effektiver Einbruchschutz für Fenster mit den Anforderungen im Denkmalschutz vereinbaren lässt.

Bargeld, Schmuck, Smartphones, Tablets aber auch Waffen und hochwertige Fahrräder sind die beliebtesten Diebesgüter bei Einbrüchen. Wer gut versichert ist, kann sich finanzielle Verluste ersetzen lassen. Abhandengekommene ideelle Werte, sensible Daten und persönliche Gegenstände in den falschen Händen stellen für Betroffene meist den größeren Schaden dar. Hinzu kommt ein anhaltendes Gefühl der Unsicherheit nach einem Einbruch. Die Opfer fühlen sich in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr sicher.

Wohnhäuser, Firmengebäude und öffentliche Einrichtungen sind gleichermaßen gefährdet. Dazu zählen natürlich auch unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Aufwendig sanierte Wohngebäude mit Denkmal-Status deuten auf einen hohen Lebensstandard der Bewohner hin und sind deshalb auf dem Radar von Einbrechern.

Für einen effektiven Einbruchschutz im Denkmal empfiehlt die Kriminalpolizei mechanische Sicherungen an Fenstern und Türen. Wie erfolgreich eine solche Sicherung an Fenstern und Türen ist, zeigt eine Statistik der bayerischen Landespolizei aus dem Jahr 2018. In 1.391 Fällen konnten einbruchhemmende Fenster und Türen einen Einbruch verhindern.

Was ist ein einbruchhemmendes Fenster?

Ein einbruchhemmendes Fenster hat mehrere speziell konstruierte mechanische Verriegelungen. Schließstellen mit Pilzkopfbolzen und Sicherheitsschließteile - idealerweise aus gehärtetem Stahl - werden besonders widerstandsfähig im Rahmen und Fensterflügel verschraubt. Hierfür werden spezielle Sicherheitsschrauben verwendet.

Für den Einbruchschutz von Holzfenstern spielt zudem die Holzart eine bedeutende Rolle. Holzfenster mit geprüfter und zertifizierter Einbruchhemmung werden in der Regel aus Hartholz wie Eiche oder Eukalyptus gefertigt. Hartholz hat eine hohe Rohdichte, wodurch die Verschraubungen der Schließkomponenten optimalen Halt bekommen und so auch unter massivem Kraftaufwand nicht ausreißen.

Umso geringer der Abstand zwischen Rahmen und Flügel, desto weniger Angriffsfläche hat der Täter. Hersteller von einbruchhemmenden Fenstern erreichen mit bündig eingelassenen Schließteilen und ausgeklügelten Profilgeometrien geringste Abstände, die im Fachjargon Falzluft genannt werden. Bei extrem geringen Abständen wird es dem Täter besonders schwer gemacht. Er bekommt mit seinem Werkzeug kaum noch Halt und erzeugt meist viel zu wenig Hebelkraft zum Öffnen des Fensters.

Mechanische Sicherung eines Denkmalfensters
Mechanische Sicherung eines einbruchhemmenden Denkmalfensters

Zusätzliche Sicherung am Fenstergriff

Der Fenstergriff muss bei einem zertifizierten, einbruchhemmenden Fenster mit einem Griffschloss gesichert sein. Ein Täter könnte die Verglasung beschädigen und über eine kleine Öffnung das Fenster von innen öffnen. Mit einem abgeschlossenen Fenstergriff gelingt ihm das Öffnen nicht. Zusätzlich werden Fenstergriffe mit einem Bohrschutz versehen. Er soll verhindern, dass Einbrecher die Verbindung zwischen dem Fenstergriff-Getriebe und dem Beschlag trennen können. Ein vom Getriebe getrennter Beschlag kann leicht verschoben werden, wodurch das Fenster leichter geöffnet werden kann.

Wichtig für einen guten Einbruchschutz ist zudem die Verwendung von Sicherheitsglas. Eine P4A-Verglasung gehört bei der Widerstandsklasse RC2 zum Standard. Für eine besonders hohe Widerstandsfähigkeit wird die Verglasung an allen vier Seiten des Flügelrahmens verklebt. Das Herausdrücken der Verglasung wird so erheblich erschwert.

Welche Widerstandsklassen gegen Einbruch sind zu empfehlen?

Unabhängige Prüfungen und Zertifizierungen für die Widerstandsklassen nach DIN EN1627 belegen die Qualität eines einbruchhemmenden Fensters. Die Norm klassifiziert einbruchhemmende Elemente in sieben Widerstandsklassen. Die Widerstandsklasse 1 bietet den geringsten, die Widerstandsklasse 7 den höchsten Schutz gegen Einbruchversuche.

Für Wohnhäuser empfiehlt die Polizei geprüfte und zertifizierte Fenster ab der Schutzklasse RC2. Diese halten einem Einbruchversuch mit einfachen Werkzeugen wie einem Schraubendreher und Keil mindestens zwei Minuten stand. Besonders schützenswerte Gebäude sollten mit Fenstern ab der Widerstandsklasse RC3 ausgestattet werden. Diese sind selbst mit einem Kuhfuß als Werkzeug nicht unter 5 Minuten zu öffnen.

Unabhängige Einrichtungen, wie das ift-Prüfinstitut Rosenheim, unterziehen das Gesamtkonstrukt Fenster einer praxisnahen Einbruchprüfung. Erst nach erfolgreicher Prüfung darf ein Hersteller mit der Klassifizierung nach DIN EN 1627 werben.

Übersicht einbruchhemmende Klassen für Fenster nach DIN EN 1627

Widerstandsklasse nach DIN EN 1627 Erwarteter Tätertyp, mutmaßliches Täterverhalten Mindestanforderung an die Verglasung Einsatzempfehlung
RC 1 N Bauteile der Widerstandsklasse RC 1 N weisen einen Grundschutz gegen Aufbruchversuche mit körperlicher Gewalt wie Gegentreten, Gegenspringen, Schulterwurf, Hochschieben und Herausreißen auf (vorwiegend Vandalismus). Bauteile der Widerstandsklasse RC 1 N weisen nur einen geringen Schutz gegen den Einsatz von Hebelwerkzeugen auf. jede Verglasung einsetzbar Nur bei Fenstern in höheren unzugänglichen Stockwerken empfohlen.
RC 2 N Der Gelegenheitstäter versucht zusätzlich mit einfachen Werkzeugen wie Schraubendreher, Zange und Keilen, das Fenster aufzubrechen. jede Verglasung einsetzbar Nur empfohlen, wenn kein direkter Angriff auf die Verglasung zu erwarten ist.
RC 2 Der Gelegenheitstäter versucht zusätzlich mit einfachen Werkzeugen wie Schraubendreher, Zange und Keilen, das Fenster aufzubrechen. P4A (A3 nach DIN 52290) Empfohlen in Wohn- und Gewerbegebieten mit normalem Einbruchsrisiko
RC 3 Der Täter versucht zusätzlich mit einem zweiten Schraubendreher und einem Kuhfuß das Fenster aufzubrechen. P5A Empfohlen in Wohn- und Gewerbegebieten mit hohem Einbruchrisiko
RC 4 Der erfahrene Täter setzt zusätzlich Sägewerkzeuge und Schlagwerkzeuge wie Schlagaxt, Stemmeisen, Hammer und Meißel, sowie eine Akku-Bohrmaschine ein. P6B (B1 nach DIN 52290) Empfohlen für Gebäude mit erhöhtem Sicherheitsrisiko

Einbruchschutz auf Denkmal-Anforderungen abstimmen

Denkmaleigentümer, die einen effektiven Einbruchschutz für ihr Haus wünschen sollten eng mit der zuständigen Denkmalbehörde zusammenarbeiten. Zunächst muss geklärt werden, ob die aktuell verbauten Fenster Teil des bauzeitlichen Originalbestandes sind und Denkmaleigenschaft haben. Wenn dem so ist, gilt es zu prüfen, ob diese erhalten werden können.

Im Falle des Erhalts der bauzeitlichen Fenster ist das nachträgliche Anbringen von mechanischen Sicherungen zwar möglich, aber aus Sicht der Denkmalbehörde ein unerwünschter Eingriff in die schützenswerte Bausubstanz. Ein praktikabler Weg den Einbruchschutz zu erhöhen ist deshalb die Anbringung eines Innenvorsatzfensters. Es wird in die Laibung von innen eingebracht und hat so keinen Einfluss auf die ursprüngliche Erscheinung der Hausfassade.

Bei Nachbauten auf zertifizierten und geprüften Einbruchschutz achten

Reicht die Laibungstiefe für die Montage eines Innenvorsatzfensters nicht aus und besteht ansonsten keine andere Möglichkeit einen effektiven Einbruchschutz zu realisieren, kann der Fall eintreten, dass die zuständige Denkmalbehörde dem Austausch der historischen Fenster zustimmt. Es beginnt die Suche nach originalgetreuen und denkmalgerechten Fenstern. Gleiches gilt für den Fall, dass die Ursprungsfenster nicht mehr vorhanden oder nicht mehr technisch und wirtschaftlich zu restaurieren sind.

Historische Fenster heben sich durch äußerst schmale Rahmen- und Flügelkonstruktionen hervor. Aus diesem Grund achten Denkmalpfleger bei neuen Fenstern besonders auf sehr schmale Ansichtsbreiten und eine maximale Glasfläche. Ihr oberstes Ziel ist schließlich der Erhalt oder die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes von denkmalgeschützten Gebäuden.

Schmale Ansichtsbreiten und einen wirksamen Einbruchschutz an einem Fenster zu vereinen ist für viele Hersteller eine besondere Herausforderung. Bei der Anschaffung neuer denkmalgerechter Fenster sollten Denkmaleigentümer deshalb unbedingt auf einen zertifizierten und geprüften Einbruchschutz achten. Dieser sollte durchgängig sein. Will heißen, dass nicht nur das ein- oder zweiflügelige Fenster, sondern auch Oberlichter, abgeschrägte Fenster, Dreiecksfenster, Bogen- als auch Kreiselemente und Balkontüren über zertifizierten und geprüften Einbruchschutz verfügen sollten.

Mechanische Sicherungen und Verriegelungen sollten nach außen hin nicht sichtbar sein. Das gilt auch für elektronische Öffnungs- und Verschlussüberwachungen die mit einer Alarmanlage verbunden sind. Für besondere Ansprüche in Sachen detailgetreue Rekonstruktion und hohe Sicherheit lassen sich auch authentische Sonderverglasungen mit lebendiger Oberfläche (z.B. Fourcaultverfahren), einbruchhemmende Verglasungen und unsichtbare Glasbruch-Alarmspinnen kombinieren.

Innenvorsatzfenster oft die wirtschaftlichste Lösung

Ausgestattet mit einer zertifizierten Einbruchhemmung bietet das Innenvorsatzfenster optimalen Schutz vor Einbrüchen. Durch die Kombination mit dem äußeren historischen Fenster wird der Einbruchschutz sogar noch erhöht. Denn hat der Täter das historische Fenster ausgehebelt oder eingeschlagen, versperrt es ihm den Zugang zum Innenvorsatzfenster. Um mit einem Schraubendreher oder einem Kuhfuss ausreichend Hebelkraft zu erzeugen, müsste er den kompletten Flügel des historischen Fensters entfernen. Und danach beginnt die Arbeit erst, schließlich gilt es dann ein zertifiziert einbruchhemmendes Fenster zu öffnen. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass ein unter Zeitdruck stehender Täter diese Arbeit auf sich nimmt.

In vielen Fällen ist das Einbringen eines Innenvorsatzfensters die wirtschaftlichste Lösung um den Einbruchschutz eines denkmalgeschützten Gebäudes zu erhöhen. Schließlich kann das innen angebrachte Fenster relativ schlicht ausgeführt werden. Es braucht weder Sprossen noch Zierprofile. Ein weiterer positiver Nebeneffekt des Innenvorsatzfensters ist die bessere Wärmedämmung und bestmöglicher Schallschutz.

Innenvorsatzfenster sorgt für denkmalgerechten Einbruchschutz
Innenvorsatzfenster sorgen für denkmalgerechten Einbruchschutz

Genau hinschauen bei Weichholz-Fenstern mit Einbruchschutz

Bieten Hersteller denkmalgerechte Fenster aus Weichhölzern wie Fichte, Kiefer oder Lärche mit Einbruchschutz an, sollte man genau hinschauen und die Echtheit der Prüfungszertifikate von der ausstellenden Institution bestätigen lassen. Die in Weichholz-Fenstern verschraubten Schließmechanismen sind in der Regel kein großes Hindernis bei einem Aufhebelversuch. Aufgrund der geringen Rohdichte des Weichholzes brechen diese sehr schnell aus womit jeglicher Einbruchschutz verloren geht. Besser geeignet sind Hartholzarten wie Eiche oder Eukalyptus Globulus.

Einbruchschutz durch fachgerechte Fenstermontage

Der beste Einbruchschutz ist wirkungslos, wenn ein Fenster unsachgemäß montiert wird. Hauseigentümer sollten bei der Wahl des Fachbetriebes deshalb auf die Referenzen achten. Der ideale Fachbetrieb hat sowohl mit Denkmalschutz als auch mit Einbruchschutz Erfahrung.

Die europäische Norm DIN EN 1627 gibt zudem vor, dass einbruchhemmende Fenster und Türen gemäß den Montagevorgaben des Herstellers montiert werden müssen. Fachbetriebe bestätigen den sachgemäßen Einbau mit einer Montagebescheinigung.

Sie sind auf der Suche nach einem Fachbetrieb für Einbruchschutz im Denkmalbereich? Füllen Sie ganz einfach unser Anfrageformular aus. Wir vermitteln Sie kostenfrei an einen erfahrenen Fachhandwerker aus Ihrer Region.


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