Holzfenster mit Sprossen in Fachwerkhaus mit grünen Fensterläden

Sprossenfenster in der Denkmalpflege

Bei der Sanierung von Fenstern an denkmalgeschützten Gebäuden ist die Ausführung der Sprossen ein viel diskutiertes Thema. Wer nicht vom Fach ist, verliert hier schnell den Überblick. Wir geben Ihnen den geschichtlichen Hintergrund und erklären welche Sprossen aus welchem Grund seitens der Denkmalpflege Akzeptanz finden.

Warum haben Fenster Sprossen?

Sprossen wurden mit dem Ziel entwickelt, mehrere kleine Fensterscheiben konstruktiv zusammenzufügen und auf diese Weise größere Glas- und Fensterformate herzustellen zu können. Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf die sich im Zeitalter der Gotik ausbreitende Verwendung von Fensterscheiben bei Sakralbauten. Die damaligen Herstellungsverfahren waren stark handwerklich geprägt, sehr aufwendig und hinsichtlich der Scheibengröße limitiert. Die gefertigten Tellerscheiben, Butzengläser oder Tafelgläser waren in der Regel zu klein um Fensteröffnungen zu füllen. Mit der Erfindung der Fenstersprossen war es fortan möglich auch größere verglaste Flächen zu realisieren. Heute haben Fenstersprossen eher eine gestalterische Funktion an Gebäudefassaden.

Aus welchem Material bestanden die ersten Fenstersprossen?

Fenster mit Isolierverglasung und Karniesbleisprossen
Fenster mit Isolierverglasung und Karniesbleisprossen

Aus den ersten Entwicklungen der damaligen Zeit entstand die Bleisprosse, die seit dem 15. Jahrhundert gut nachweisbar ist. Die Herstellungsmethode von Fensterblei hat sich seit dem 15. Jahrhundert praktisch nicht verändert. Es wurde mittels „Ziehmaschine“  als „Umschlagbley“, „gewöhnliches Bley“ oder mit höherem Aufwand und größerer Festigkeit  als „Karniesbley“ gefertigt. Einfache Verbleiungen wurden - mit zunehmender Größe der Glasflächen – mittels stabilisierenden „Windeisen“ am Flügelrahmen befestigt. Karniesblei hatte dabei den Vorteil, des es mit einer innen liegenden Verstärkung gefertigt wurde und so weitgehend auf Windeisen verzichtet werden konnte. Blei- oder Karniesbleisprossen lassen sich bundesweit gut bis etwa Mitte des 18. Jahrhunderts nachweisen, je nach Region und Bedeutung des Gebäudes auch noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts.

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Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden Fensterverglasungen zunehmend mit Leinöl- oder Glaserkitt in Holzrahmen eingesetzt. Diese neue Methode mit Fenstersprossen aus Holz machte die Verglasung, die vorher mit Glasfälzen und Steckscheiben einherging, einfacher und auch dichter. Mit Verbreitung der Kittverglasung sind Bleisprossen weitestgehend von Holzsprossen verdrängt worden.

Welche Arten an Fenstersprossen gibt es heute?

Beispielzeichnungen für konstruktiv glasteilende Fenstersprossen
Beispielzeichnungen für konstruktiv glasteilende Fenstersprossen
Beispielzeichnungen für optisch glasteilende Fenstersprossen
Beispielzeichnungen für optisch glasteilende Fenstersprossen

Bei heutigen Fenstersprossen wird zwischen konstruktiv glasteilenden und nicht glasteilenden Sprossen unterschieden. Beide haben Vor- und Nachteile:

Konstruktiv glasteilende Sprossen

Konstruktiv glasteilende Fenstersprossen
Konstruktiv glasteilende Fenstersprossen

Ein Fenster mit konstruktiv glasteilenden Sprossen besteht, wie der Name schon sagt aus mehreren Scheiben, die mittels der Sprossenkonstruktion und dem Rahmen zu einem Fensterflügel verbunden sind. Glasteilende Sprossen haben den Vorteil, dass wenn eine Scheibe innerhalb der Sprossenfelder beschädigt ist, diese einzeln erneuert werden kann. Demgegenüber stehen allerdings mehrere Nachteile. Der technische Aufwand der konstruktiven Glasteilung ist sowohl bei der Glasherstellung als auch bei der Verglasung spürbar, was zu höheren Kosten führt. Ebenfalls nachteilig wirken sich bei der konstruktiven Glasteilung die erhebliche Verschlechterung des Wärmedämmwertes und der Schalldämmung der Gesamtkonstruktion sowie die höhere Anfälligkeit gegenüber Winddruck und nicht zuletzt die höhere Anfälligkeit im Zusammenhang mit den Randverbunden innerhalb der einzelnen Glasfelder aus.

Optisch glasteilende Sprossen

Bei optisch glasteilenden Sprossen ist die Glasscheibe nicht konstruktiv unterteilt. Die Fenstersprossen liegen entweder zwischen den Glasscheiben oder werden im Zusammenspiel mit innen liegenden Abstandshaltern von außen auf die Glasfläche aufgebracht. Beide Ausführungen haben Vor- und Nachteile:

Helima-Sprossen

Helima-Sprossen im Scheibenzwischenraum
Helima-Sprossen im Scheibenzwischenraum

Helima-Sprossen liegen im Scheibenzwischenraum der Isolierverglasung und sind aus Kunststoff oder Metall. Die Vorteile bestehen im Wesentlichen aus niedrigen Kosten, kaum messbarer Verschlechterung von Wärme- und Schalldämmeigenschaften sowie keinerlei Mehraufwand beim Fensterputzen. Der eigentliche Nachteil ist optischer Natur. Dadurch, dass die Sprosse nur im Scheibenzwischenraum sitzt und somit die Scheibenaußenflächen keine Teilung haben, kommt der doch eigentlich gewünschte optische Effekt der Glasteilung überhaupt nicht zur Geltung.

Wiener Sprossen

Holzfenster mit Wiener Sprossen und Abstandshalter im Scheibenzwischenraum.
Holzfenster mit Wiener Sprossen und Abstandshalter im Scheibenzwischenraum.
In Ausnahmefällen kann bei Wiener Sprossen auf Abstandshalter verzichtet werden.
In Ausnahmefällen kann bei Wiener Sprossen auf Abstandshalter verzichtet werden.

Die sogenannte Wiener Sprosse ist die in der Denkmalpflege in den allermeisten Fällen akzeptierte und üblicherweise verwendete Sprossenkonstruktion bei Isolierverglasungen. Wiener Sprossen bestehen aus auf den Außenseiten der Verglasung aufgebrachten Holzstegen (Ansichtsbreiten von ca. 18mm – 60mm, je nach Bedarf) sowie einem Abstandhalter im Scheibenzwischenraum. Die technischen Vorteile sind sehr gute Wärmdämmung, kaum Verschlechterung im Schallschutz sowie niedrige Kosten im Vergleich zu echten glasteilenden Sprossen. Als weiterer großer Vorteil ist die sehr gute optische Anpassungsfähigkeit an historische Holzsprossenfenster zu nennen. Seit einigen Jahren gibt es zur Fensterfarbe abgestimmte Abstandhalter, die optisch sehr unauffällig sind. Der eigentliche Nachteil der Wiener Sprosse besteht darin, dass bei Glasbruch alle Sprossenfelder erneuert werden müssen. Was aber aufgrund des einfachen Aufbaus in der Regel problemlos möglich ist.

Wiener Sprosse mit Abstandshalter aus Kunststoff
Wiener Sprosse mit Abstandshalter aus Kunststoff
Wiener Sprosse mit Abstandshalter aus Aluminium
Wiener Sprosse mit Abstandshalter aus Aluminium

Welche Sprossenfenster werden von der Denkmalpflege genehmigt?

Aufgrund des historischen Ursprungs kommt es vor, dass bei der Sanierung von Baudenkmälern die Denkmalpflege glasteilende Fenstersprossen zur Auflage macht (sogenannte Material- und Werkgerechtigkeit). Wenn es sich um einfachverglaste Fenster, Verbund- oder Kastenfensterrekonstruktionen handelt, werden die Holzsprossen dann meist in klassischer Manier konstruktiv glasteilend ausgeführt. Immer im Blick haben muss die Denkmalpflege aber auch einen zeitgemäßen Wohnkomfort, der als Grundlage für die gesetzlich verankerte sinnvolle Nutzung eines Baudenkmals gilt. Glasteilende Sprossen können diesen Komfort je nach Einsatz einschränken.

So ist der Wärmedämmwert als auch der Schallschutz eines Fensters mit glasteilenden Sprossen und Isolierverglasung erheblich schlechter. Etwas schwerwiegender gegenüber der Denkmalpflege wirkt hingegen das Argument, dass Fenster mit glasteilenden Sprossen und Isolierverglasung bei der Ansichtsbreite deutlich klobiger daherkommen als Fenster mit nicht-glasteilenden Sprossen. Ansichtsbreiten wie bei historischen Fenstern sind in der Kombination Isolierverglasung und glasteilende Sprosse nicht immer zu realisieren.

Fenstersprossen-Vergeleich: Links mit echter Einfachglas-Kittsprosse und rechts mit Isolierverglasung und Wiener Sprosse / Copyright: Diane Tesic www.diane-design.de
Sprossenfenster-Vergleich: Links mit echter Einfachglas-Kittsprosse und rechts mit Isolierverglasung und Wiener Sprosse / Copyright: Diane Tesic www.diane-design.de

Optisch glasteilende Fenstersprossen werden als Wiener Sprossen ausgeführt und in aller Regel seitens der Denkmalpflege akzeptiert. Sie haben aus Sicht der Denkmalpflege den entscheidenden Vorteil, dass besonders schmale Ansichtsbreiten auch mit zeitgemäßer Isolierverglasung realisiert werden können.

In der Denkmalpflege unbeliebt und meist nicht genehmigungsfähig sind sogenannte „Sprossen in Aspik“, fachlich richtig bezeichnet als „Helimasprosse“. Hauptargument der Denkmalpflege ist hier die nach außen hin durchgängige Verglasung, durch die in der Außenwirkung große spiegelnde Glasflächen entstehen. Das wirkt speziell bei historischen Fassaden fremdartig und ist deshalb in der Denkmalpflege unerwünscht.

Was ist bei der Rekonstruktion von Sprossenfenstern zu beachten?

Bei Rekonstruktionen mit Einfachverglasung, dazu zählen Einfach- Verbund und Kastenfenster, sollten grundsätzlich konstruktiv glasteilende Sprossen verwendet werden. Bei Rekonstruktionen mit Isolierverglasung, egal ob Zweifach- oder Dreifachverglasung, müssen technische und optische Aspekte sorgfältig abgewogen werden. Einen Sonderfall stellen Vakuumisolierverglasungen dar, die aufgrund der geringen Scheibentiefe eher für eine glasteilende Ausführung geeignet sind.

Falls Rekonstruktionen für Gebäude anstehen, die aus dem 18 Jh. stammen oder noch älter sind, sollte grundsätzlich versucht werden, alte Fotos (möglichst vor dem zweiten Weltkrieg) als Entscheidungshilfe zu bekommen. Bei Schwarz-Weiß Aufnahmen lassen sich oftmals Bleisprossen gut von Holzsprossen unterscheiden. Dies aufgrund der Tatsache, dass Holzsprossen breiter waren und im Gegensatz zu Bleisprossen in der Fensterfarbe gestrichen wurden.

Welche Rolle spielt die Verglasung?

Rekonstruierte Holzfenster mit Bleisprossen und Forcaultverglasung
Rekonstruierte Holzfenster mit Bleisprossen und Forcaultverglasung

Und – unabhängig von der Wahl der Sprossen – ist auch zu überlegen, bei Fenstern in Gebäuden, die vor der ersten Hälfte des 20. Jhs gebaut wurden, eine möglichst authentische Glasoberfläche einzusetzen. Das richtige Zusammenspiel aus zeitlich passender Fensterteilung, nachvollziehbaren Zierprofilen, stimmigen Sprossen sowie einer „lebendigen“ Glasoberfläche kann eine Fassade erheblich aufwerten und vermeidet das stumpfe Wiederholen gestalterischer Fehler.

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