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Unterlagen für den Erstbesuch bei der Denkmalschutzbehörde

Der erste Beratungstermin bei der Denkmalschutzbehörde

Wer bauliche Veränderungen an einem denkmalgeschützten Gebäude plant, sollte frühzeitig den Kontakt zur Unteren Denkmalschutzbehörde suchen. Im Rahmen einer persönlichen Beratung wird das Projekt und die Umsetzung im Detail besprochen. Worauf Denkmalpfleger besonderen Wert legen und wie Sie sich auf den Beratungstermin vorbereiten, lesen Sie hier.

Erst reden, dann planen, dann bauen. Ein jeder Eigentümer und Architekt eines Baudenkmals sollte sich an diese Vorgehensweise halten, bevor er an einem denkmalgeschützten Gebäude etwas verändert. Geldverschwendung, Zeit und jede Menge Ärger lassen sich so vermeiden.

Bauherren und Planer sollten vor jeder baulichen Maßnahme eine Beratung durch die Untere Denkmalschutzbehörde in Anspruch nehmen. Sie ist die Behörde, die für den Vollzug des Denkmalschutzgesetzes zuständig ist und über Art und Umfang der Gebäuderestaurierung, Umbaumaßnahmen oder gar den Abriss des Gebäudes entscheidet.

Wie finde ich die zuständige Denkmalschutzbehörde?

Recherchieren Sie im Internet um die Kontaktdaten der zuständigen Denkmalschutzbehörden zu finden. Beispielsweise bei www.denkmalliste.org. Die Seite verweist auf die Webseiten der Denkmalschutzbehörden in den sechzehn deutschen Bundesländern.

Diese wiederum führen einen zu den Online-Auftritten von Stadtbezirken, Landkreisen oder Gemeinden und deren angeschlossenen Unteren Denkmalschutzbehörden. In der Regel finden Sie dort die Kontaktdaten Ihres direkten Ansprechpartners.

Beratungstermin beim Denkmalamt vorbereiten

Vorbereitung ist die halbe Miete. Das gilt auch für den Beratungstermin bei der Denkmalbehörde.

Äußerst wichtig für die Fachexperten der Denkmalbehörde sind gut strukturierte und nachvollziehbare Unterlagen zu ihrem Bauvorhaben. Stellen Sie folgende Unterlagen in einer übersichtlichen Mappe oder einem Ordner zusammen und bringen Sie diese zum Gesprächstermin mit:

  1. Planunterlagen und Lageplan des Objekts
  2. Detaillierte Maßnahmenbeschreibung
  3. Gutachten und Angebote von Fachexperten (Zimmermann, Tischler, o.ä.)
  4. Historische Fotos oder Zeichnungen des Gebäudes
  5. Fotos historischer Gebäude in der Nachbarschaft

Sie haben keine historischen Fotos des Gebäudes? Dann recherchieren Sie im Internet, indem Sie Ihre Adresse in die Suchmaschine eingeben, Wikipedia befragen oder in den sozialen Medien Gruppen suchen, über die historische Bilder Ihrer Stadt veröffentlicht werden.

Altes Foto einer Gebäudefassade
Anhand alter Fotos oder Zeichnungen werden die Anforderungen für neue Fenster definiert

Kommunikation mit der Unteren Denkmalbehörde

Bevor Sie mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde einen Beratungstermin vereinbaren, vergewissern Sie sich, ob Sie über alle wichtigen Informationen zum betreffenden Gebäude verfügen.

Schauen Sie in den Denkmallisten von Bundesland, Landkreis, Bezirk oder Gemeinden und prüfen Sie folgende Punkte:

  • Handelt es sich bei dem Gebäude um ein Einzeldenkmal oder Teil eines Ensembles?

  • Recherchieren Sie das ungefähre Baujahr des Gebäudes.

  • Erstellen Sie für sich eine Liste der geplanten Baumaßnahmen und Fragen an den Denkmalpfleger, auf die Sie beim Telefonat zurückgreifen können.

Die Denkmalpfleger der Unteren Denkmalschutzbehörden sind für hunderte, manchmal sogar auch tausende Denkmäler und die Beratung der Bauherren in ihrer Stadt zuständig. Da Baudenkmäler aufgrund der erheblichen Steuersparmöglichkeiten ein beliebtes Anlageobjekt sind, kann die Arbeitsbelastung eines Denkmalpflegers sehr hoch sein. Umso mehr freuen sich Denkmalpfleger Bauherren oder Architekten betreuen zu dürfen, die gut vorbereitet sind und noch nicht bereits mit der Planung oder den Bauarbeiten begonnen haben. Das schafft eine positive Grundstimmung, die es gilt im Verlauf der weiteren Kommunikation beizubehalten.

Finanzielle Förderung und Steuerersparnis nur bei Kooperation mit Denkmalschutzbehörde

Denkmalpfleger wägen stets ab, ob die Restaurierungskosten dem Eigentümer finanziell zuzumuten sind. Ist das trotz der hohen Steuererleichterungen nicht der Fall, wird in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege geprüft, ob zusätzliche Fördermittel in Aussicht gestellt werden können.

Grundvoraussetzung für Fördermittel als auch für die Steuererleichterungen nach Denkmal-AfA ist die Kooperation mit den Denkmalschutzbehörden und die denkmalrechtliche Erlaubnis für sämtliche Baumaßnahmen.

Versetzen Sie sich in die Lage des Denkmalpflegers

"Ich will keine schlafenden Hunde wecken und Kosten sparen", sagen manche Denkmaleigentümer, wenn sie Baumaßnahmen ohne Genehmigung durchführen. Ihre Argumentation erinnert an die von Windkraftgegnern, die sich für die Energiewende aussprechen. Sie finden es gut, wenn Denkmäler aufwendig saniert werden, solange es nicht das eigene Haus ist.

Attraktive Förderprogramme und die kulturhistorische Bedeutung des Gebäudes spielen keine Rolle. Denkmalpfleger werden auf Abstand gehalten und die kostenlose Beratung der Denkmalschutzbehörden nicht in Anspruch genommen. Manche Denkmaleigentümer haben Angst vor Kontrollen und dass getätigte nicht genehmigte Veränderungen am Gebäude ans Tageslicht kommen. Auch hohe Kosten durch verpflichtende Anweisungen oder Strafen der Denkmalschutzbehörde sind gefürchtet. Kurz gesagt: Die Mitarbeiter von Denkmalschutzbehörden haben keinen leichten Stand.

Denkmalpfleger achten auf Zumutbarkeit

Völlig außer Acht lassen die Eigentümer dabei oft, dass der Denkmalpfleger laut Gesetz im Rahmen des finanziell Zumutbaren handeln muss und dass es in seinem Interesse liegt eine einvernehmliche Lösung zu finden. Denn wenn Denkmaleigentümer ohne Genehmigung sanieren, renovieren oder anderweitig etwas am Gebäude verändern, kann es zu Bußgeldbescheiden und aufwendigen Gerichtsverfahren kommen. Aus Sicht der Denkmalpflege eine extrem ärgerliche Situation.

Es gibt auch Architekten, die kein Verständnis für die Denkmalpflege haben. Das hat zur Folge, dass Sanierungen und Ausschreibungen geplant werden, ohne die behördlichen Wünsche und Vorgaben gehört zu haben. Solch eine Situation kann für alle Beteiligten Probleme verursachen und ist vermeidbar.

Aber auch Handwerker ohne Fachwissen zerstören durch mangelhafte Arbeitsleistung und den Einsatz ungeeigneter Materialien historische Substanz. Das Beseitigen dieser Schäden – wenn überhaupt möglich – ist ebenfalls vermeidbar und natürlich mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Denken Sie deshalb immer daran: Denkmalpfleger sind auch nur Menschen. Ärger frustriert sie. Eine gute und einvernehmliche Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ist hingegen motivierend. Nutzen Sie deshalb das Angebot der kostenlosen Beratung durch die Denkmalschutzbehörden.

Worauf legen Denkmalpfleger besonderen Wert?

Zu den Aufgaben von Denkmalpflegern gehört es den Zustand von Kulturdenkmälern zu überwachen und ihren Erhalt zu sichern. Sehr anschaulich beschreibt das Beispiel Fenster deren Vorgehensweise.

Im Rahmen der Beratung von Bauherren wird anhand von alten Bildern oder Zeichnungen geprüft, ob die Fenster von kulturhistorischer Bedeutung sind. Dazu müssen die Elemente nicht bei der Entstehung des Hauses verbaut worden sein. Gerade bei sehr alten Gebäuden kommt es vor, dass Fenster die hundert oder zweihundert Jahre nach Fertigstellung eingebaut wurden seitens der Denkmalpflege als Teil der Geschichte des Hauses und somit als schützenswert eingestuft werden.

Im nächsten Schritt wird geprüft, in welchem Zustand sich die historischen Bestandsfenster befinden und ob eine Restaurierung zu vertretbaren Kosten möglich ist. Zudem wird abgewogen wie eine energetische Optimierung der Bestandsfenster wirtschaftlich und denkmalgerecht erzielt werden kann.

Altes Fenster mit Holzläden
Handelt es sich hierbei um ein historisches Original-Fenster?

Letzte Option: Denkmalgerechte Fenster mit schmalen Ansichtsbreiten

Erst wenn alle Register gezogen wurden und hohe Kosten oder die Umsetzbarkeit gegen eine Restaurierung sprechen, kommen rekonstruierte Fenster als Option infrage. Die Bezeichnung "rekonstruiert" weißt schon darauf hin, dass der Nachbau möglichst originalgetreu erfolgen muss.

Folglich legen Denkmalpfleger bei rekonstruierten historischen Fenstern besonderen Wert auf sogenannte schmale Ansichtsbreiten. Der Begriff beschreibt die filigrane Rahmen-, Flügel- und Sprossenkonstruktion früherer Fenster. Filigran waren die Fenster aus früheren Zeiten, weil damalige Schließvorrichtungen, (auch Fensterbeschläge genannt) aufliegend montiert wurden und nicht in den Rahmen der Fenster integriert waren. Zudem mussten die Rahmen der Fensterflügel zu dieser Zeit weniger Gewicht halten als heute, denn mehrfache Verglasungen waren noch nicht erfunden und die damaligen Fensterscheiben waren dünn und relativ leicht.

Welche Eigenschaften Denkmalpflegern neben schmalen Ansichtsbreiten bei Rekonstruktionsfenstern oder historisierenden Fenstern besonders wichtig sind, wird Ihnen im Rahmen der Beratung Ihrer Denkmalschutzbehörde erläutert.

Was passiert nach der Beratung durch die Denkmalschutzbehörde

Fassen Sie das Besprochene für sich zusammen und ziehen Sie ein Fazit:

  • Welche Anforderungen stellt die Denkmalpflege an die Restaurierung?
  • Was ist dem Denkmalamt besonders wichtig?
  • Wurden Ihnen während der Beratung Handwerksbetriebe empfohlen und wenn ja, welche?
  • Welche Aufgaben müssen bis zur Stellung des Antrags nach denkmalschutzrechtlicher Genehmigung noch erledigt werden? Priorisieren Sie diese.
  • Wurden weitere Abstimmungen mit der Denkmalbehörde eingefordert?

Jetzt liegt es an Ihnen das Besprochene umzusetzen und alles in die Wege zu leiten, damit ein gut vorbereiteter Antrag auf denkmalschutzrechtliche Genehmigung gestellt werden kann und Sie in den Genuss von Fördergeldern und Steuererleichterungen kommen.

Für Ihre Baumaßnahme suchen Sie noch einen erfahrenen Handwerksbetrieb für denkmalgerechte Fenster und Haustüren? Dann füllen Sie einfach unser Anfrageformular aus. Wir vermitteln Ihre Anfrage kostenlos an einen erfahrenen Fachbetrieb aus Ihrer Region.


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