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Historische Holzfenster in Eichstätt

Historische Fenster sanieren: Ratgeber für Altbau und Denkmal

Ratgeber für Altbau und Denkmal

Historische Fenster dokumentieren ein Stück Handwerksgeschichte. Viele sind denkmalgeschützt und haben noch die ursprüngliche Einfachverglasung, die früher lediglich vor Wind und Wetter schützen sollte. Dieser Beitrag erklärt wie Sie historische Fenster sanieren und sowohl technisch als auch energetisch optimieren können.

Einfachverglaste Fenster waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreitet. Die "undichten" Fenster hatten zwei wichtige Funktionen. Zum einen sorgten sie selbst im geschlossenen Zustand für Zuluft und den erforderlichen Luftaustausch. Zum anderen sammelte sich an den Scheiben überschüssige Luftfeuchte in Form von Tauwasser. Die stetige Belüftung und die kontrollierte Gewinnung von Kondenswasser verhinderten die Bildung von Schimmel. Da kalte Frischluft sich leichter erwärmen lässt, trugen die "undichten" Fenster obendrein noch zum „effizienteren“ Heizen bei.

Sanierungspotenzial für historische Fenster wird unterschätzt

Aus heutiger Sicht sind einfachverglaste Holzfenster alles andere als energiesparend. Bei der Renovierung von alten Gebäuden ist deshalb der Einbau neuer Fenster oft die erste Maßnahme, um die Energieeffizienz des Hauses zu verbessern. Allerdings lassen Eigentümer das Sanierungspotenzial vorhandener einfachverglaster Fenster viel zu selten prüfen. Selbst bei denkmalgeschützten Gebäuden wird eine Fenstersanierung oft als zu aufwendig und deshalb gegenüber dem Eigentümer als nicht zumutbar eingestuft. Im schlimmsten Falle führt dies zum Verlust überlieferter Handwerkskunst.

Dabei gibt es mehrere Wege historische Holzfenster zu sanieren und optimieren, sodass sie den heutigen Anforderungen an Wärmedämmung, Schallschutz und Einbruchhemmung gerecht werden:

Vier Verfahren zur Optimierung historischer Fenster

Um einfachverglaste Holzfenster technisch aufzurüsten, gibt es vier gängige Verfahren. Denkmalbehörden genehmigen diese in der Regel. Ihre Durchführbarkeit steht und fällt allerdings mit der Belastbarkeit der Beschläge sowie der Größe der Fensterflügel und der Einbausituation.

1. Umgestaltung zum Kastenfenster

Eine bewährte und äußerst sinnvolle Optimierung von historischen Holzfenstern ist die Erweiterung zum Kastenfenster, vorausgesetzt die Tiefe der Fensterlaibung reicht aus.

Ist das der Fall, wird auf der Raumseite ein weiteres Holzfenster innerhalb der Laibung montiert. Das zusätzliche Holzfenster wird luftdicht abgedichtet. Um Tauwasser fernzuhalten, ist zu prüfen, ob die Leibung zusätzlich gedämmt werden muss.

So bleibt das äußere Gesamtbild der Fassade zusammen mit dem Bestandsfenster erhalten. Die Wahrscheinlichkeit für eine denkmalrechtliche Genehmigung ist dadurch entsprechend hoch.

Die Erweiterung zum Kastenfenster lässt sich bauphysikalisch allen Anforderungen anpassen und erreicht je nach Ausführung beste Ergebnisse in den Bereichen Wärme- und Schallschutz sowie bei der Einbruchhemmung.

Kastenfenster an einer Hausfassade

2. Umbau zum Verbundfenster

Diese Methode basiert auf der Konstruktion des klassischen Verbundfensters, das gemeinhin auch als Vorgänger des Isolierglasfensters bezeichnet wird. An die einfachverglasten historischen Fenster werden von innen zusätzliche Flügel angebracht. Innere und äußere Fensterflügel lassen sich zusammen öffnen und schließen. Der Raum zwischen den Flügeln ist nach außen hin offen, sodass Kondensat entweichen kann.

Vor Beginn solch einer Maßnahme muss unbedingt die Belastbarkeit der Beschläge, also der Fensteraufhängungen, geprüft werden. Manche historische Beschläge sind für die doppelte Belastung nicht ausgelegt.

Werden die Fenster zur Restaurierung und zum Umbau auf Verbundfenster ausgebaut ist beim Wiedereinbau in das Gebäude zu beachten, dass für eine effiziente Wärmedämmung der vorhandene Fensterrahmen ausreichend abgedichtet ist. Für das Abdichten von historischen Fenstern im Altbau, vor allem bei Fachwerkgebäuden, eignen sich am besten natürliche Materialien wie Hanfstricke. Keinesfalls sollte industrieller Bauschaum verwendet werden. Er kann bei Fachwerkbalken großen Schaden anrichten, da er das Holz versiegelt und Feuchtigkeit nicht mehr entweichen kann.

Aus Sicht der Denkmalpflege hat diese Form der energetischen Optimierung zwei entscheidende Vorteile: Das Erscheinungsbild der historischen Fassade wird beim Umbau zum Verbundfenster nicht beeinträchtigt und die historischen Fenster können – wenn auch mit dauerhaften Veränderungen - erhalten werden.

Mit dieser Methode kann unter Verwendung von einer dünnen Isolierverglasung ein Uw-Wert von bis zu 1,2 W/(m2K) erreicht werden.

3. Anbringung von Vorsatzscheiben

Die einfachste Form der verbesserten Wärmedämmung bei einfachverglasten historischen Fenstern ist die Vorsatzscheibe. Die gehärtete Fensterscheibe wird auf der Innenseite der Fensterflügel montiert. Zur einfachen Reinigung kann die Vorsatzscheibe, die an einem Drehschanier befestigt ist, separat geöffnet werden. Um eventuelle Zuglufterscheinung der historischen Fenster in den Griff zu bekommen kann eine speziell dafür entwickelte Silikonschlauchdichtung im Blendrahmen verankert werden.

Für die Denkmalpflege ist der besondere Vorteil dieser Technik der minimale Eingriff in die historische Bausubstanz und dass die Außenansicht vom Fenster in keiner Weise verändert wird.

Die Wärmedämmung der Verglasung kann mit der pyrolytisch beschichteten Vorsatzscheibe um das Dreifache auf einen Ug-Wert von bis zu 1,8 W/m2K gesteigert werden. Neben sinkenden Heizkosten bringt diese Form der Fensterisolierung eine bessere Schalldämmung sowie erhöhten Splitterschutz durch die Einscheibensicherheitsverglasung (ESG) mit sich.

Historisches Fenster mit Energiespar-Vorsatzscheiben

4. Glastausch

Die wohl aufwändigste Form der Optimierung von historischen Holzfenstern ist der Tausch der Verglasung. Voraussetzung hierfür ist ein ausreichender Glaseinstand und ein guter Zustand von Holzrahmen und Beschlägen.

Hierbei wird der Flügel vollständig entglast und von Kittresten befreit. Anschließend wird mit überlieferten Handwerkstechniken und einer möglichst dünnen Isolierverglasung neu verglast. Das Resultat ist ein traditionell gefertigtes Fenster mit moderner Verglasung, mit der Ug-Werte bis ca. 1,8W/m²K zu erreichen sind. [5]

Denkmalgerechte Fenster auch als Nachbau erhältlich

Leider können wirtschaftliche Gründe gegen den Erhalt historischer Fenster sprechen. Für diese Fälle sind originalgetreue Nachbauten die beste Alternative. Optisch kaum vom Original zu unterscheiden, erfüllen rekonstruierte Fenster jegliche Anforderungen in Sachen Wärme-, Schall- und Einbruchschutz. Holzart, Anstrich, Verglasung, Zierprofile oder Beschläge können individuell auf denkmalpflegerische Anforderungen angepasst werden. Auch Verbund- oder Kastenfenster sind als originalgetreue und denkmalgerechte Nachbauten erhältlich.

Nachbau eines historischen Fensters

Denkmalbehörde mit einbeziehen

Gerade bei denkmalgeschützten Gebäuden ist eine detaillierte Analyse der Bestandsfenster äußerst hilfreich. Sie erleichtert es den Sachverständigen der Denkmalschutzbehörde, die in solch einem Fall unbedingt mit einzubeziehen sind, eine fachlich fundierte Entscheidung zur energetischen Sanierung der Fenster zu treffen.

Die Kosten für das Sanieren von historischen Fenstern hängen sehr stark vom Zustand, der Rahmen- und Flügelgröße und der Einbausituation ab. Wenn Wind und Wetter dem Fensterholz zu sehr zugesetzt haben, können die Sanierungskosten schnell die Kosten für neue Fenster übersteigen. Bei Gebäuden mit Denkmalschutz sind dann die Sachverständigen der Denkmalbehörde gefragt. Sie müssen beurteilen, ob die Kosten für die Sanierung der historischen Fenster dem Eigentümer zuzumuten sind.

KfW-Förderung für Sanierung historischer Fenster

Das Sanieren von unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden wird von der KfW-Bank mit bis zu 100.000 Euro pro Wohnung gefördert. Zusätzlich kann ein Großteil der Kosten für eine denkmalgerechte Gebäuderenovierung steuerlich geltend gemacht werden. Darunter fallen natürlich auch die Kosten für die Sanierung historischer Fenster.

Für denkmalgeschützte Gebäude gibt es bei Bund, Ländern und Gemeinden weitere finanzielle Förderprogramme. Über die Voraussetzungen um diese in Anspruch nehmen zu können und die Höhe der Förderung informieren die zuständigen Denkmalbehörden.

Fachhandwerker und Facharchitekten beurteilen Sanierungspotenzial

Wer keine Fachkenntnisse hat, sollte die energetische Sanierung historischer Holzfenster einem Fachbetrieb anvertrauen. Schon beim ersten Ortstermin kann ein erfahrener Fachmann eine erste Einschätzung geben, welche Maßnahme zur Optimierung am sinnvollsten ist.

Auf Altbauten spezialisierte Architekten und Fachplaner gehen noch etwas mehr ins Detail. Sie erstellen eine fachliche Dokumentation zum Zustand der vorhandenen Fenster und beurteilen die zu erwartenden Energieeinsparungen anhand einer energetischen Analyse.

Sie planen die Sanierung von Fenstern in einem Baudenkmal und suchen für diese Aufgabe einen kompetenten Handwerksbetrieb? Füllen Sie doch unser Anfrageformular aus. Wir bringen Sie dann kurzfristig und für Sie kostenlos mit erfahrenen Fachbetrieben für Denkmalfenster zusammen.

Quellenangaben:

Künzel, Helmut; Fensterlüftung und Raumklima im Wandel der Zeit; Fenster im Altbau und Baudenkmal 2010, S.45 ff.

Demel, Manuel; Benitz-Wildenburg, Jürgen, Zwischen Bautechnik und Denkmalschutz, Denkmalsanierung Ausg. 2017/2018, S. 65

Kramp & Kramp GmbH, www.kramp-lemgo.de